Die zerbrochene Schüssel

Die zerbrochene Schüssel

Als das Baby endlich schlief, konnte ich nachschauen wie es den zwei großen Kindern geht und was sie trieben. Doch vorerst wollte ich mich um die piepsende Spülmaschine kümmern.
In der Küche sah ich dann eine zerbrochene Schüssel. Auf dem Boden lag noch etwas Müsli. Offenbar hat jemand versucht es aufzuwischen und die Scherben auf die Arbeitsplatte gelegt.

Die zerbrochene Schüssel.

Der Große kam gut gelaunt aus dem Garten zu mir in die Küche.
„Weißt du was mit der Schüssel passiert ist?“, fragte ich ruhig und versuchte keinerlei Vorwurf in meine Stimme zu legen. Denn ich wusste, dass er mir nicht die Wahrheit sagen würde, wenn er merkte dass ich sauer bin. Und eigentlich war ich das auch gar nicht.
„Die ist mir runtergefallen…“ sagte er mit hängendem Kopf. Ich nicke langsam „Hast du dich verletzt?“ Augenblicklich lächelt er mich an und schüttelt seinen Kopf. Ich sehe ihm die Erleichterung an, weil ich nicht geschimpft habe und muss selber lächeln. „Sag uns bitte Bescheid wenn sowas passiert, dann können wir dir helfen das aufzuräumen und die Scherben weg machen.“ „Ich hatte Angst du schimpfst…“ sagt mir mein Sohn mit ernster Miene.
Und mein Herz zerspringt in tausend Teile. Denn wenn ich mir eins auf meine Fahne geschrieben habe, dann, dass ich meinen Kindern das Gefühl geben möchte, dass sie jederzeit zu mir kommen können. Nein, ich möchte ihnen nicht nur das Gefühl geben; Es soll für sie einfach selbstverständlich sein.

Aber das war es für meinen Sohn zu diesem Zeitpunkt nicht. Er konnte nicht zu mir und mir sagen, dass ihm die Schüssel zerbrochen ist. Er hatte zu viel Angst, dass ich laut werde. Dass ich ihm wieder mal eine predigt darüber halte, dass er doch bitte langsam machen soll. Dabei habe ich nicht mal gesehen wie die Schüssel kaputt gegangen ist. Ich wusste ja nicht mal wer es war.
„Hattest du Angst, weil ich vorhin wegen der Milch laut geworden bin?“, er nickt traurig. Ich habe schlagartig ein schlechtes Gefühl im Bauch, denn ich weiß, dass mein Verhalten absolut unangebracht gewesen ist.
„Es tut mir leid“, sage ich mit ruhiger Stimme „Es tut mir leid, dass ich dich vorhin angemeckert habe. Eigentlich lag es gar nicht an der verschütteten Milch. Ich habe schlecht geschlafen, Kopfschmerzen und das Baby ist schon den ganzen Tag schlecht drauf. Die verschüttete Milch war lediglich zu viel für mich, aber es war NICHT deine Schuld.“
Wieder lächelt er.
„Mir passiert es doch auch, dass ich etwas verschütte oder dass mir etwas kaputt geht.“
„Wie das Glas letztens!“ ruft er aufgeregt und möchte sich offenbar aufbauen.
Ich muss unweigerlich schmunzeln „Wie das Glas letztens. Genau. Es rutschte mir beim Einräumen aus der Hand. Sowas passiert. Das ist nicht schlimm.“
An seiner ganzen Körperhaltung, Mimik und Gestik spüre ich, dass das genau der richtige Weg gewesen ist.
Ich habe einen Fehler gemacht und mich dafür entschuldigt. Ich habe erklärt wieso ich so gehandelt habe, aber es nicht runtergespielt.

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