Auf Wiedersehen, Stillzeit

Es ist jetzt genau eine Woche her, da habe ich mit dem Stillen komplett aufgehört. Es ist nach wie vor ein seltsames Gefühl. Fast ein Jahr habe ich den Kleinen täglich gestillt und auch wenn es in den letzten Monaten nur noch am Abend war, ist es doch schwer für mich Abschied zu nehmen.

Allerdings fühlt es sich richtig an. Denn, zugegeben, es machte einfach keinen Spaß mehr.
Seit Wochen gab es jeden Abend dasselbe Szenario; Simon wurde müde, mein Mann machte ihn Bettfertig und dann ging es für den Kleinen und mich in die Federn. Er trank, vielleicht zehn Minuten, und wurde dann wieder putzmunter. Als habe er einen Energydrink zu sich genommen. Fröhliches Gehopse durch das Bett, auf die Mama schmeißen und dann wieder kurz nuckeln.
Das war für mich auch eine Zeitlang in Ordnung. Denn immerhin heulte er nicht. Ich genoß auch ein bisschen das herumspielen.
Allerdings dehnte sich das immer mehr aus und ich merkte, dass Simon die Brust gar nicht mehr brauchte. Es war schlichtweg Gewohnheit.

Gleich nach dem Urlaub bei meinen Eltern, stillte ich ihn ein letztes Mal zuhause. „Ab morgen gibt es dann keine Milch mehr.“ Das erklärte ich ihm schon Wochen vorher. „Bald hören wir auf.“
Ich weiß nicht, ob das wirklich etwas bringt, aber irgendwie gab es mir ein gutes Gefühl.

Am nächsten Abend gab es den sonst üblichen Nachmittags-Haferbrei zum Abendbrot. Ich hoffte, dadurch sei der Kleine ausreichend für die Nacht gesättigt.
Wieder machte mein Mann Simon Bett fertig und wieder machte ich das Nachtlicht und den Sternenhimmel an. Wir kuschelten uns ins Bett und zack! ging das Gebrülle los. Er setzte sich hin, haute wütend mit der Hand auf die Matratze. Er schrie und grub vor Zorn sein Gesicht in die Zudecke. Wenn ich ihn in den Arm nahm, wurde er noch wütender.
Also ließ ich ihn wieder neben mir sitzen und etwas toben.
Nach etwa zehn Minuten war er fertig mit meckern und kam angekuschelt. Er legte seinen Kopf auf meinen Bauch und schniefte traurig vor sich her. Ich streichelte ihm seinen Kopf und erzählte leise von den Sternen am Himmel und anderen Babys die auch ins Bett gingen. Und dann schlief er ein. Er schlief ein und wachte am nächsten Morgen um sieben Uhr auf.
Das haute mich echt aus den Socken. Denn ich habe mit einer Nacht voller Gebrüll gerechnet.

Die nächsten Nächte waren ähnlich. Das abendliche Schreien, kommt zwar noch vor, aber selten. In der Nacht wird er nicht oder nur einmal wach. Dann kuschelt er sich an meinen Mann oder mich und nickt ohne Probleme wieder ein. Er schläft in der Tat besser, seit ich ihn nicht mehr stille.

Das beruhigt mich ungemein, denn es zeigt mir, dass ich den richtigen Zeitpunkt abgepasst habe. Selbst Papa kann ihn hinlegen und dabei gibt es keinen Protest.

Und jetzt? Jetzt schmusen wir viel mehr. Auch tagsüber. Und ich freue mich darauf, bald eingekuschelt im Bett zu liegen und ihm vorlesen zu können. Als neues Ritual.

Sonnige Grüße und auf Wiedersehen, Stillzeit!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.