Vegetarische Ernährung – Fluch und Segen

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat die wunderbare Frida von 2Kindchaos einen Text zur vegetarischen, beziehungsweise veganen, Ernährung geschrieben. Sie hat sich von ihrem Umfeld einiges anhören müssen und auch mir ging es ähnlich.

Vegetarische Ernährung - Total einseitig!

Vegetarische Ernährung – Total einseitig!


VEGETARISCHE ERNÄHRUNG – WIE ES ANFING

Ich habe immer sehr gerne Fleisch gegessen. Am liebsten jeden Tag, doch irgendwann wurde mir das zu viel. Ich wollte Alternativen ausprobieren, ohne mich gleich nach zwei Tagen Vegetarierin zu schimpfen. Mein Mann machte natürlich mit, er probiert eh immer gerne aus.

Das war zu einem Zeitpunkt (vor der ersten Schwangerschaft), als ich so wie so die Ernährung umstellen wollte. So flogen alle Fertigsoßen, Suppen aus der Tüte und irgendwelches Zeug zum Einrühren aus der Küche. In diesem Zuge kauften wir Tofu statt Fleisch und das Gemüse wurde täglich mehr.

Für mich persönlich war schnell klar, dass ich das weiterhin so handhaben möchte. Von jetzt auf gleich beschloß ich also dass ich weder Fleisch noch Fisch essen werde. Mein Mann willigte ein. Er wollte es ebenfalls so handhaben, allerdings mit Ausnahmen. So aß er Anfangs immer noch gerne Fleisch wenn wir essen gingen oder irgendwo zu besuch waren.

Viele in meinem Umfeld waren verdutzt: „DU willst kein Fleisch mehr essen?“

„Spätestens in einem halben Jahr isst du eh wieder welches.“

„Was isst du stattdessen?“

„Igitt Tofu!!!! Das schmeckt doch nach nix.“

Das waren noch die harmlosen Dinge, über die ich Schmunzeln musste. Meine Eltern waren fast die Einzigen, die es kommentarlos hinnahmen. Mein Vater fragte sogar welche Alternativen er anbieten könne, wenn er sein leckeres Chili auf seinem Geburtstag serviert.

Ich selber bin jetzt seit ca 4,5 Jahren vegetarisch unterwegs. Mein Mann seit etwa einem dreiviertel Jahr. Wobei er noch Fisch isst. Das nennt sich also nicht Vegetarier, sondern Pescetarier.

„WENIGSTENS IN DER SCHWANGERSCHAFT KANNST DU EINE AUSNAHME MACHEN!!“

Irgendwann hatte sich also das Umfeld daran gewöhnt, dass ich kein Fleisch mehr esse und ihnen ist offenbar auch schnell bewusst geworden, dass es länger als sechs Monate anhält. Ein großes Thema war es nicht mehr, bis ich schwanger geworden bin.

„Jetzt isst du aber wieder Fleisch. Oooooder?“

„Fleisch solltest du jetzt wieder essen. Oder wenigstens Fisch.“

„Du schadest deinem Ungeborenen.“

Auf die letzte Aussage, fragte ich weshalb ich denn meinem Kind Schaden zufügen würde. Als Antwort sagte man mir „Weil das nicht gut ist“ und damit war das Gespräch dann für mich beendet. Ich hatte diesem „Argument“ absolut nichts entgegenzusetzen. 😉

Natürlich kam auch irgendwann die übliche Keule mit den Eisenwerten. Ja, viele Frauen leiden vor allem gegen Ende der Schwangerschaft an Eisenmangel und müssen deshalb Tabletten nehmen. Auch nach der Geburt hat man oft damit zu kämpfen. Und genau deshalb wird einem des Öfteren Blut abgenommen. Ich hatte in beiden Schwangerschaften schwarz auf weiß, dass ich traumhafte Eisenwerte habe und trotzdem wurde mir oft erzählt, meine vegetarische Ernährung sei ein Problem.

Ich fragte meinen damaligen Frauenarzt, der mir versicherte dass meinem Baby nichts passiert. Ebenso sagte mir die Hebamme (die schon von klein auf kein Fleisch aß) dass alles kein Problem ist. Auch in der zweiten Schwangerschaft bestätigte mir meine neue Ärztin und die neue Hebamme, dass mit meinen Werten und dem Baby alles prächtig ist.

Das Traurige an diesem ganzen Gerede ist ja immer, dass die Leute alle nur mit ihrem RTL Punkt 12 Halbwissen um sich werfen und gar kein Interesse daran haben, wie es wirklich ist. Es hat auch nicht interessiert dass meine Werte in Ordnung sind. Vegetarische Ernährung in der Schwangerschaft ist schlecht und daran gab es, bei einigen, nichts zu rütteln.

Irgendwann schaltete ich dann auf stur. Ich nickte freundlich und lächelte vor mich hin. Das Gerede ging (und geht nach wie vor) rechts rein und links wieder heraus.

"Voll eklig euer Essen. "

„Voll eklig euer Essen. „

„EUREN KINDERN ZWINGT IHR ABER NICHT EURE ERNÄHRUNG AUF – OOOODER?“

Als Simon dann alsbald feste Nahrung zu sich nahm, bot ich ihm Anfangs auch Fleisch an. Das fühlte sich für mich aber nicht richtig an. Mein Mann und ich beschlossen, dass er einfach mit uns mit isst und keine extra Wurst (haha, Wortspiel) bekommt. Wohl aber, wenn wir unterwegs sind und bei jemand anderen zu Mittag essen.

„Zuhause bekommt er wohl kein Fleisch?“

„Zwingt ihr ihm eure Ernährung auf?“

„Von ein bisschen Wurst wird er schon nicht sterben.“

„Er braucht das Fleisch um zu wachsen.“

Wir lassen Simon ganz einfach wählen was er essen möchte und die oben genannten Aussagen sind mehr als lächerlich. Das weiß man, wenn man sich etwas mit vegetarischer Ernährung auseinandersetzt und nicht stupide immer und immer wieder irgendwelche Floskeln von sich gibt.

Fakt ist, das meine Kinder Zuhause kein Fleisch und keine Wurst bekommen. Komischerweise fragt Simon auch nie danach. Wohl aber nach anderen Lebensmittel. Also scheint es ihm nicht zu fehlen.

Sind wir zu besuch bei anderen, heißt es oft „Was soll ich euch zu essen machen? Ihr esst ja nix!“ ich seufze dann immer und weiß schon gar nicht mehr was ich dazu sagen soll. Meistens kommt dann noch der Zusatz „Simon darf aber Fleisch? Hier mein Junge, hast mal was gescheites auf dem Teller.“ Was soll man da noch antworten?

Mich nerven solche Aussagen immer und ich könnte platzen. Denn ich mag es absolut nicht wenn das Essen, gerade vor den Kindern, diskutiert wird. Ich möchte sie nicht beeinflussen, in dem ich ständig davon rede wie gut oder schlecht jenes und welches Essen ist. Das sollen sie später mal ganz für sich selber entscheiden. Mich würde es auch nicht stören, wenn sie später Fleisch essen möchten.

Wir haben nix zu essen...

Wir haben nix zu essen…

UNS GEHT ES GUT!

Meinen Kindern, meinem Mann und mir geht es gut! Durch die vegetarische Ernährung fehlt es uns an nichts. Beide Kinder entwickeln sich prächtig und dürfen vom Essen probieren was sie möchten (wobei Alwin natürlich noch auf meine Milch angewiesen ist). Simon isst vielfältig, doch noch lange nicht alles. Für uns ist das ok, denn auch wir mögen nun mal nicht alles. Das ist alles absolut normal.

Ich verlange von niemanden sich vor mir zu rechtfertigen oder mir eine extra Suppe zu kochen. Das Einzige was ich mir wünsche, sind weniger mahnende Zeigefinger und mehr Offenheit. Ich diskutiere gerne und ich erkläre gerne, doch mag ich es nicht, behandelt zu werden, als hätte ich keine Ahnung von Ernährung und würde mir selber oder gar den Kindern schaden.

Wie geht euer Umfeld mit eurer Ernährung um?

Sonnige Grüße.

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