Und plötzlich ist sie ein Junge

Die Geburt von Alwin war voller Überraschungen. Nicht nur dass es wahnsinnig schnell ging und teilweise gefährlich wurde, nein, plötzlich ist aus dem Mädchen ein Junge geworden.
Und jetzt?

Mädchen oder Junge?

Mädchen oder Junge?


WAS WIRD ES DENN?

Kaum eine Frage wird einem öfter in der Schwangerschaft gestellt; „Was wird es denn?“ Nun, ich bin ja der Meinung dass der Bauchzwerg nicht WIRD, sondern bereits IST. Allerdings kann ich auch nachvollziehen dass die Frage immer so merkwürdig gestellt wird, denn für alle anderen ist das Baby eben nicht greifbar.

Ich selber war in beiden Schwangerschaften auch sehr neugierig was wir für ein Geschlecht bekommen. Gewünscht habe ich mir keines, denn beeinflussen kann man es eh nicht. Und selbst wenn man es könnte, wüsste ich nicht was ich gewählt hätte. Also ist es schon ganz prima dass das Schicksal darüber entscheidet. Ich wäre mit dieser Entscheidung komplett überfordert.

Nun bekamen wir als erstes einen Jungen. Cool!

Und als zweites? Tjoa, die Frauenärztin war davon überzeugt dass es ein Mädchen ist. Ich selber sehe bei einem Ultraschall nie etwas. Höchstens mal einen Kopf oder eine Hand. Ansonsten ist das für mich einfach nur ein großer grauer Fleck.

„Dann habt ihr ja beides! Wie schön.“

„Dann hast du weibliche Unterstützung Zuhause.“

„Dann kann Simon auf seine kleine Schwester aufpassen.“

Blablabla.

Eines muss ich zugeben; Ich habe mich etwas schwer getan mit dem Gedanken ein Mädchen zu bekommen.
Weil ich selber kaum auf typische Mädchensachen abfahre, war ich der Meinung keine gute Mädchenmama sein zu können. Das ist Schwachsinn. Aber dieser Gedanke kreiste hin und wieder in meinen Kopf.

VORBEREITUNGEN FÜR DAS BABY

Wir hatten noch einiges an Klamotten von Simon übrig. Deshalb haben wir kaum etwas neues gekauft. Dennoch wollte ich ein paar neue Wickelbodys haben. Doch das Problem bei gängigen Läden; Jungs blau/grau – Mädchen rosa/weiß. Ich kann rosa, pink und dergleichen nicht ausstehen, kaufte aber dennoch ein paar Bodys.
„Es wäre euch sicher recht wenn das zweite auch ein Junge wird, wegen der Anziehsachen die ihr schon habt.“ Äh nein! Denn die Sachen von Simon hätte ich auch einem Mädchen angezogen. Selbst wenn sie größtenteils blau sind.
Oh wie schlimm!

Außerdem wollte ich noch eine neue Autoschale haben. Die von Simon war mir mittlerweile zu alt und nicht mehr auf dem neuesten Sicherheitsstand.
Wir überlegten lange welche Farbe es werden soll und schließlich entschieden wir uns für ein dunkles lila. Kein pink. Kein rosa. Sondern lila. Es hätte auch blau oder grau werden können. Vollkommen Unabhängig vom Geschlecht.

Der Buggy ist übrigens auch blau. Und das nicht weil Simon ein Junge ist, sondern weil uns schlichtweg die Farbe am besten gefiel. Einen neuen hätten wir ob des Mädchens nicht gekauft.

Verhältnismäßig früh hatten wir uns auch auf einen Namen geeinigt. Annika sollte das Mädchen heißen. Das Geschlecht haben wir auch Familie und Freunden veraten, den Namen allerdings nicht.

„Wir sollten uns vielleicht auch einen Jungennamen überlegen. Nur für den Fall…“ sagte ich zu meinem Mann „Quatsch. Die Ärztin war doch davon überzeugt dass es ein Mädchen ist.“
Naaaaaa gut!

DANN WURDE SIE EIN JUNGE

Noch am CTG hängend fragte mich die Hebamme was wir für ein Geschlecht erwarten. „Ein Mädchen. Glaube ich. Man hat ja schon die komischsten Geschichten gehört.“

Und keine Stunde später war ER dann da.
Na hoppla!

„Sie wussten dass es kein Mädchen ist, oder?“ fragte mich die Hebamme lachend. Nun, gewusst habe ich es nicht, aber überzeugt bin ich auch nicht gewesen. Wahrscheinlich weil ich nie etwas gesehen habe und schon von zwei Fällen gehört habe, bei denen es dann im Endeffekt doch ein Junge war.
(Bei ihr war es übrigens umgekehrt.)

„Sind Sie enttäuscht?“
Huch?! Was war das für eine Frage? Warum sollte ich denn enttäuscht sein?

Und die Hebamme war nicht die Einzige die mich das fragte. Familie und Freunde kamen ebenfalls auf mich zu und fragten ob ich enttäuscht bin.
ICH habe sogar meinen Mann gefragt ob er enttäuscht sei. Aber warum eigentlich?

SPIELT DAS GESCHLECHT EINE ROLLE?

Eine Bekannte sagte zwei Wochen nach der Geburt zu mir „Ich wäre stinksauer auf die Ärztin.“ Hä? Weshalb? Weil sie mir das vermeintlich falsche Geschlecht prophezeite? „Ich hab mir immer ein Mädchen gewünscht. Jede Frau wünscht sich doch ein Mädchen und dann freut man sich und plötzlich ist es ein Junge.“

Also als erstes; Ich habe mir nie ein Mädchen gewünscht. Eine Frau bin ich dennoch. Und dann frage ich mich ernsthaft ob man enttäuscht sein kann, wenn man sein Baby auf dem Arm hält?! Was spielt das Geschlecht dann noch für eine Rolle?
Hört man nicht immer und ständig von allen Seiten „Hauptsache gesund“?! Offenbar gibt es aber auch einige die sich denken „Hauptsache gesund UND Geschlecht XY.“

Klar, es gibt diese typischen Dinge die man sofort im Kopf hat, wenn man Mädchen hört; Rosa. Barbie. Kleidchen. Glitzer. Geflochtene Zöpfe. Und dann gibt es die Dinge die man bei Junge im Kopf hat; Blau. Autos. Lego. Ritter. *Klischee*

Ich persönlich stehe ja eher auf die Jungssachen. Aber hätten mich zwei Mädchen davon abgehalten? Wohl kaum. Denn ich bin ja auch ein Mädchen. Eines das blau rosa vorzieht. Eines das gerne am Rechner/an der Konsole sitzt und zockt. Eines das gerne auf Mittelaltermärkte geht. Eines mit derben Humor.

Warum also ist es in den Köpfen (auch in meinem) immer noch so merkwürdig verankert, dass Geschlecht A „besser“ wäre als Geschlecht B? Ich kann mit einem Mädchen genau so zu einem Formel 1 Rennen gehen, wie ein Junge auf dem Ponyhof Spaß haben kann.

Sollten wir uns für ein drittes Kind entscheiden, würde ich das Geschlecht nicht wissen wollen. Irgendwie war diese Überraschung ziemlich cool und lustig. Das würde ich gerne nochmal erleben wollen.

Wie steht ihr zum Geschlecht? Habt ihr euch ein Mädchen oder einen Jungen gewünscht, oder war es euch egal?

Sonnige Grüße.

4 Gedanken zu „Und plötzlich ist sie ein Junge

  1. Verrückt, diese Babyüberraschung. Aber irgendwie auch cool. Dass man da „stinksauer“ auf die Ärztin sein sollte, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, da finde ich die Wortwahl unpassend. Wie du schon schreibst, man hält doch sein Kind im Arm!
    Ich bin auch Jungsmama und habe mir auch immer einen Jungen gewünscht. Aber ein Mädchen wäre genauso willkommen gewesen. So wär das auch bei einer Nummer zwo – im Grunde pupsegal. 🙂

    • Ich kann mir das auch irgendwie nicht vorstellen mit der Enttäuschung. Vielleicht wenn man darüber nachdenkt, aber wenn es dann wirklich soweit ist und man hat sein Baby im Arm, macht einem das Geschlecht nicht mehr aus. 😉

  2. Ziemlich amüsant, die Geschichte.
    Aber, und nun verurteile mich nicht, ich bin froh, dass Helena ein Mädchen ist. Irgendwie gab mir das zwischen all der Unsicherheit das Gefühl, wenigstens IRGENDWAS Vertrautes zu erwarten. Und obwohl ich niemals ein pinktragendes Mädchen wollte, eben weil ich auch eher zur Fraktion ’nicht girly‘ gehöre, hats mir plötzlich doch Spaß gemacht, eine Prinzessin auszustatten. Pink und lila und rüschig
    Bis kurz vor Ende der Schwangerschaft wusste übrigens auch niemand genau, was das Geschlecht ist…Vorderwandplanzenta sei ‚dank‘ (jaaaaa, ich würde es immer wieder wissen wollen und war etwas frustriert, weils keiner sehen konnte ).
    Jetzt, da wir uns so sehr ein zweites Kind wünschen, würde ich mich tatsächlich über einen Jungen freuen. Und ich mag mich dafür gar nicht rechtfertigen, es ist einfach mein Gefühl, und dafür will ich kein schlechtes Gewissen gemacht bekommen.
    Klar ist aber: EGAL, was es am Ende wird, die Freude und Liebe und Dankbarkeit wird gleich groß sein. Und zwar unendlich, so wie bei Helena auch.
    Und obwohl ich gerne an Kleidung und Haaren rum’style‘ würde ich nienieniemals eingreifen, wenn Helena irgendwann lieber grün mit blauen Duppen oder raspelkurze Haare tragen will.
    Aber jetzt….jetzt mag ich sie einfach in rosa Strumpfhosen und Kleidchen genauso gern wie in Jeans und blauem Pulli. Mit Klämmerchen in den langen Locken, ein schwarzes Bobbiecar fahrend und Barbie unterm Arm.

    Ich hab mich also ganz freiwillig zumindest mit einem Fuß in die rosa-hellblau-Falle gestellt, weils mir da ein bisschen gefällt. Und ich finds nicht schlimm.

    Liebe Grüße,
    Tamara

    P.S.: Leni steht grad voll auf Busse, Bagger und Ball spielen. Is mir Recht.

    • Nein, nein! Ich verurteile niemanden der sich etwas wünscht. Mich interessieren tatsächlich die Beweggründe dafür und mich würde interessieren ob man in so einer Situation dann WIRKLICH enttäuscht ist. Vielleicht denkt man das vorher, aber im Endeffekt ist man sicherlich nur glücklich sein Baby auf dem Arm zu haben.

      Es ist ja auch vollkommen in Ordnung, wenn man sich dieser rosa/blau „Falle“ hingibt. Manche mögen das halt und wer weiß; Eventuell hätte auch ich gefallen daran gefunden Kleidchen zu kaufen und die Haare zu flechten.
      Ich weiß es nicht.

      Meine Meinung ist halt nur, dass man die Kinder nicht irgendwann in etwas reinzwingen sollte. Von wegen „Das ist aber nur für Jungs“ oder sowas. Aber ich schätze (und lese), dass wir uns da einig sind.

      Danke für deine Sicht der Dinge. 🙂

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