Auf der Neointensiv

Ich habe eine ganz fabelhafte dritte Schwangerschaft erleben dürfen und auch die Geburt war verhältnismäßig angenehm für mich. Doch leider lief anschließend nicht alles ganz rund mit unserem Neuankömmling.

Florian und ich auf der Neostation. Eine ganz neue Erfahrung für uns alle.

DER START WAR GUT, ABER DANN WAR ER WEG

Wie ich in Florians Geburtsbericht bereits schrieb, haben wir eine recht angenehme und vor allem schnelle Geburt gehabt. Wir konnten auch erst mal in Ruhe kuscheln und ankommen.
Allerdings spazierten plötzlich zwei Kinderärzte rein. Sie waren super freundlich und erklärten mir was sie machten.
Durch den zunächst rasanten Start und dem anschließenden Stop der Wehen, hat der Kleine offenbar zu viel vom (grünen) Fruchtwasser geschluckt und musste abgesaugt werden. Die Ärzte sind davon ausgegangen, dass das reichen würde, aber er brauchte noch etwas mehr Hilfe.
Sie nahmen ihn erst mal mit und bis zu diesem Zeitpunkt war ich mir noch ziemlich sicher, ihn bald wieder in die Arme schließen zu können.

Allerdings kamen die Ärzte nicht wieder. Während ich wieder zusammengeflickt worden bin und mich anschließend noch gewaschen hatte, blieb er die ganze Zeit fern.
Ich telefonierte mit meinem Mann und mit meiner Mutter. Er kam immer noch nicht wieder zurück.
Mittlerweile gab es Schichtwechsel und ich hatte wieder das Glück, eine wunderbare Hebammenschülerin an meiner Seite zu haben. Auch sie hatte mich nicht alleine gelassen und lenkte mich mit Gesprächen über Gott und die Welt ab.
Nach über einer Stunde kam eine Kinderärztin wieder zurück. Allerdings ohne Florian.
Sie erklärte mir ganz in Ruhe und voller Zuversicht, dass mein kleiner Mann für, wahrscheinlich nur eine Nacht, auf der Neointensiv bleiben sollte. Er brauche noch etwas Unterstützung bei der Atmung. Das Absaugen alleine hatte nicht gereicht. Sie versicherte mir mehrfach dass er stabil sei und keine Lebensgefahr besteht.
Ich nahm diese ganzen Informationen auf. Die Gute verschwand wieder und ich legte mich wieder aufs Bett.
Die gute Laune, die ich vor, während und nach der Geburt hatte, war verflogen.

EIN BISSCHEN TROST

Das Schöne war, dass der Arzt, der mich zusammenflickte, die ganze Zeit über gewartet hatte. Er klopfte mir auf die Schulter und sagte mir mehrfach, dass sie sich gut um ihn kümmern werden.
Die Schülerin setzte sich neben mich auf das Bett und nahm mich in den Arm „Sie können ruhig weinen, schreien oder wütend sein. Sie sind so ruhig“, sagte sie voller Mitgefühl. „Ich muss das erst mal verarbeiten“, sagte ich knapp und zu mehr war ich dann auch nicht in der Lage.

Komplett vorbei war es dann, als sie den Kleinen zu mir in den Kreißsaal schoben. Da lag er nun eingemummelt in diesem Kasten. Einen Schlauch in der Nase und ein viel zu großes Pflaster über dem Gesicht. Überall Kabel und anderes Gedöns.
Die Ärztin öffnete eine der Klappen und ich konnte ihn etwas streicheln, während ich furchtbar heulte, weil er doch zu mir auf den Arm gehörte!

Ich machte zwei, drei Fotos von ihm. Dabei wusste ich nicht mal warum, denn eigentlich wollte ich diese Bilder schnell wieder aus dem Kopf bekommen. Aber ich wusste ja, dass er nicht mit mir auf Station kommt, sondern die Nacht in der Kinderklinik nebenan verbringen wird. Also wollte ich ihn wenigstens so sehen.
„Die Hebamme hat noch Bilder ohne Schlauch gemacht“, sagte mir die Ärztin und ich war sehr froh darum.
Sie fuhren ihn also weg und ich rief abermals meinen Mann an, der bereits auf dem Weg in die Klinik war.
Die Hebammenschülerin unterhielt sich noch weiter mit mir. Sie betreute mich wirklich ganz herzlich und hat mich keine Sekunde aus den Augen gelassen.
„Sie und ihr Mann können zu jeder Tages,- und Nachtzeit zu ihm. Wir bringen sie dann hin“

Florian mit Kabelgedöns – Furchtbar.

AUF DER NEOINTENSIV

Während ich auf Station gebracht wurde, fühlte sich alles so merkwürdig an. Ich war immer noch froh um die tolle Geburt, aber auch voller Sorge und Trauer um meinen Sohnemann.
Mein Mann war bereits mit den Kindern da und Simon fragte sofort nach dem Baby. Ich erklärte ihm so gut es ging, was passiert war und dachte zu dem Zeitpunkt noch, dass wir ihn alle alsbald besuchen können.

Netterweise organsierte die Schülerin einen Rollstuhl für mich. So machten wir uns alle, inklusive Hebamme, auf den Weg durch die Katakomben der Geburtsklinik, in die Kinderklinik.
Es war ein unfassbar weiter Weg und ich wurde zunehmend nervöser. Auf dem Stockwerk der Intensivstation angekommen, wurden wir gleich gefragt ob das mit den Kindern angesprochen sei, denn diese dürften eigentlich nicht hier her.
Das hieß also, ich musste dem Großen irgendwie erklären, dass er das Baby doch noch nicht sehen darf. Er war zutiefst enttäuscht und mir brach es ebenfalls das Herz. Der Mann blieb also mit den Kindern etwas abseits und ich konnte zu Florian.
Ich empfand den Anblick als total surreal. Er lag immer noch in dem Kasten. Er hatte immer noch den Schlauch in der Nase und um ihn herum Monitore, Gepiepse, Zahlen und Zeug von dem ich keinen blassen Schimmer hatte.
Die Schwester auf Station war ebenfalls sehr nett und feinfühlig. Sie öffnete den Kasten und ich konnte wieder etwas mit ihm knuddeln. Sie erklärte mir ein bisschen was und dann kam auch schon der Arzt, der mir ebenfalls noch mal einige Sachen zeigte und erklärte. Beide gingen davon aus, dass der Kleine die Atemhilfe schon am nächsten Tag nicht mehr brauchen würde. Eventuell könne er sogar zu mir aufs Zimmer.
Das machte mir Hoffnung.
Ich ging aus dem Zimmer raus und tauschte mit dem Mann. Während ich mit meinen beiden Großen Bücher im Wartezimmer gelesen hatte, konnte Stephan endlich seinen Sohnemann besuchen.
Er brachte den Rollstuhl wieder mit und wir rollerten zurück zu mir aufs Zimmer.
Simon verstand immer noch nicht so ganz was los war. Er hatte sich sehr auf seinen Babybruder gefreut und die Enttäuschung war ihm ins Gesicht geschrieben.

Alles Mögliche wird überwacht.

WIEDER ALLEINE

Mann und Kinder machten sich nach ein paar Stunden wieder auf den Heimweg.
Da lag ich also nun. In der Geburtsklinik, ohne mein Baby. Das war nach wie vor sehr seltsam. Aber dennoch hatte ich das Gefühl, dass es richtig und wichtig gewesen ist.

Es dauerte auch gar nicht allzu lange, da kam eine Hebamme rein, die mir das Foto brachte. Das stellte ich auf den Tisch und erfreute mich daran, ihn ohne Schläuche zu sehen.
Ich lenkte mich mit Rätseln, Podcasts und telefonieren ab. Außerdem gab es noch Abendessen und ich hatte eine nette Zimmernachbarin.

Tatsächlich ging es mir alles in allem recht gut. Körperlich wie seelisch. Auch wenn Florian nicht bei mir war, tat die Zuversicht der Ärzte sehr gut. Außerdem hatte ich gesehen, wie liebevoll sich die Schwester um die Babys gekümmert hatte. Die Tatsache, dass ich immer zu ihm konnte, beruhigte mich ungemein. All das zusammen sorgte dafür, dass ich eine gute und erholsame erste Nacht hatte.

(To be continued…)

Zum Geburtsbericht

Sonnige Grüße.

5 Gedanken zu „Auf der Neointensiv

  1. Ich habe Tränen in den Augen. Das alles erinnert mich zu stark an die Geburt von unserem ersten. Er war erst bei mir und die Krankenschwester nahm ihn 2 mal mit um ihn zu untersuchen. Beim zweiten Mal brachte sie ihn nicht zurück. Er hatte einen Neugeboreneninfekt und kam ebenfalls auf die Intensivstation. Die Stunden danach habe ich komplett verdrängt. Es gibt ein Foto von ihm im Inkubator und ich war dort, erinnere mich aber nicht. Ich habe in den 2 Wochen viel geweint. Vor allem wenn ich auf der Wöchnerinnenstation Mütter mit ihren Kindern sah. Erst nach 12 Tagen wurde er entlassen.

    • 12 Tage? Wow, das ist eine unfassbar lange Zeit! Mir kam das Wochenende schon viel zu lang vor. 🙁

      Das tut mir echt leid, dass ihr das durchmachen musstest. Hattest du denn wenigstens das Gefühl, dass es ihm dort gut ging? Also dass sich gut um ihn gekümmert wurde? Ich hoffe es!

      • Die meisten haben sich ganz wunderbar um ihn gekümmert, aber manchmal kam ich auch zu ihm und neben ihm lag Zuckerlösung. Da war mir klar wie sie ihn ruhig gestellt hatten. Andere Kinder worden auch schon mal schreien gelassen. Aber das waren nur wenige. Wir nutzten sogar die Zeit um einmal abends in Ruhe zu essen zu gehen 🙂

  2. Pingback: Gut gelaunt im Kreißsaal - Die dritte Geburt - Sonnenshyn.de

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