Verlegt auf die Neostation

Nach einer recht erholsamen Nacht, hoffte ich darauf, dass mein Sohnemann gegebenenfalls zu mir aufs Zimmer kommen könnte.

Auf der Neostation.

AUF DER NEOSTATION

Meine erste Handlung am Morgen war, in der Kinderklinik anzurufen und zu fragen wie es Florian geht. Bereits in der Nacht hat er die Atemhilfe nicht mehr benötigt. Es ging ihm so gut, dass er auf die Neostation in die Frauenklinik verlegt wurde. Nun musste ich nicht mehr durch die Katakomben geschoben werden um ihn zu sehen. Er lag nur noch einen Stockwerk von mir getrennt. Das bedeutete, dass ich ihn viel öfter besuchen und hoffentlich stillen konnte.
Vorher strich ich lediglich aus und fing jeden Tropfen mit einer Spritze auf, welche dann zu ihm auf die Intensivstation gebracht wurde.

Noch während ich mein Frühstück zu mir nahm, kam eine Hebamme herein um mir zu sagen, dass mein Kleiner nun oben ist und ich auch auf die normale Neostation zu jeder Tages,- und Nachtzeit gehen kann. Ich aß gar nicht erst auf, sondern machte mich gleich auf den Weg.

(FAST) ENDLOS KUSCHELN

Ich kam also auf der Neostation an und wurde gleich recht hektisch, aber dennoch liebevoll begrüßt. „Ist das ihr erstes Kind?“, fragte mich die Schwester „Mein drittes“, gab ich verwirrt zurück. „Haben sie die anderen beiden gestillt?“ – „Ja?!“ „Gut! Dann zeig ich ihnen ihr Baby, den Rest schaffen sie? Wir reden später. Es ist gerade etwas hektisch!“
Ich fand die ganze Situation fast schon ein bisschen witzig, aber um ehrlich zu sein tat mir die gute Frau etwas leid. Sie kümmerte sich alleine um 7 Babys.

Doch als ich meinen Schatz sah, waren alle Gedanken fort. Er lag nicht mehr in diesem riesen Inkubator und hatte keinen Schlauch mehr in der Nase. Zwar bekam er eine Infusion, seine Herztöne wurden überwacht und er hatte noch ein Kabel am Fuß, aber all das war halb so wild. Die Monitore und das Gepiepse nahm ich kaum wahr. Auch die anderen Babys und Mütter zunächst kaum.

Ich sah sein niedliches Gesicht und nahm ihn gleich aus dem Wärmebettchen. Eine Ewigkeit saß ich einfach nur da und hielt ihn im Arm. Ganz zufrieden lag er da und schien die Ruhe selbst. Er wurde langsam munter und als hätten wir von der ersten Sekunde an gestillt, klappte das Anlegen ohne Probleme.
Als er fertig getrunken hatte, sah er mich mit großen Augen an. Ich sprach ganz leise zu ihm und er lauschte ganz aufmerksam.

Die Schwester hatte irgendwann Zeit zum Atmen und erklärte mir dann, dass ich zum Wickeln immer Handschuhe und einen grünen Kittel tragen müsse. Wegen Infektionsgefahr. Sobald sie einen Abstrich gemacht und die (guten) Werte bekamen, wird der grüne Kittel gegen einen weißen getauscht. Die Handschuhe müssen allerdings immer sein und ich muss die Hände desinfizieren.
Ein ganz schöner Aufwand, dachte ich mir. Und unter diesen Kitteln schwitzte man sich, in dem eh schon viel zu warmen Raum, einen ab. Mein Kreislauf machte das kaum mit, da die Schwestern aber großen Wert darauf legen, dass sich die Eltern so gut es geht eigenständig um ihre Kinder kümmerten, gab ich mein bestes.
Außerdem hatte ich meine Handynummer hinterlassen. Sobald er wach wurde oder Anzeichen machte wach zu werden, riefen die Schwestern an.

Wir können Stillen – Ohne jegliche Probleme.

LIEBEVOLLE UNTERSTÜTZUNG

Ich empfand den Umgang von den Schwestern mit den Babys als sehr liebevoll. Keines der Kleinen wurde schreien gelassen. Sobald sie wach wurden, hat man die Mamis angerufen. Dauerte es etwas länger, standen die Schwestern entweder am Bettchen und sprachen ruhig mit dem Baby, streichelten es oder nahmen es auf den Arm. Manchmal wickelten sie die Krümel schon oder bereiteten Fläschchen vor, wenn zugefüttert werden sollte.
Sie hatten immer ein offenes Ohr für die zahlreichen Fragen und waren niemals genervt. Zwar merkte man ihnen immer mal wieder an, dass sie etwas unter Stress standen, aber das war schnell verflogen. Zu keinem Zeitpunkt wurde das an den Babys oder den Eltern ausgelassen.

Auch wenn es mir im Herzen weh tat meinen Sohn immer wieder in das Bettchen zurück zu geben, statt einfach mitzunehmen, hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass es ihm dort hundeelend geht. Ich war nur noch einige Schritte von ihm entfernt und die meiste Zeit sowieso auf der Neostation, um mit ihm zu kuscheln.

Doch leider kam er weder am Samstag, noch am Sonntag zu mir aufs Zimmer. Und leider durften die beiden Großkinder auch jetzt nicht zu ihm. Das Ganze wieder Simon zu erklären war schwierig, denn er fragte immerzu „Wieso?“ – Und er tat mir einfach unfassbar leid.
Nur mein Mann und ich durften zu Florian. Keine Geschwister, keine Großeltern oder sonst wer. Das war sehr schade.

AB NACH HAUSE

Sonntag Abend gab es dann endlich die erlösenden Worte „Morgen können sie mit ihm nach Hause“, sagte die Schwester und machte sofort einige nun überflüssige Kabel ab.
Der Kinderarzt hatte ihm zuvor Blut abgenommen und nach einer Stunde rief die Schwester in der Kinderklinik an um nach den Ergebissen zu fragen. Offenbar war alles in Ordnung und ich machte mich sofort ran, unsere Tasche zu packen.

Am nächsten Morgen stand ich gleich nach dem Frühstück auf der Neostation und hoffte dass die U2 schon gemacht wurde, aber ich musste mich noch etwas gedulden. Mein Mann und der Große kamen um uns abzuholen. Simon wartete aufgeregt und leider auch sehr übermüdet vor der Neostation. 

Nach der erfolgreichen U2 zog ich ihm seinen Strampler an, den wir extra für ihn gekauft hatten. Ich bat die Schwester die restlichen Kabel zu entfernen und endlich hatte ich ihn ohne das ganze Gedöns auf dem Arm. 

Als ich mit ihm die Neostation verlassen habe, guckte Simon mich mit großen Augen an. Ich setzte mich zu ihm auf das Sofa. „Ist das das Baby?“, fragte er ganz ruhig und zurückhaltend „Ja, das ist der Florian“ „Das ist ein schöner Name“ Er bestaunte seinen Bruder und fasste ihn ganz vorsichtig an die Beine „Hallo Baby. Ich bin der Simon.“

Und dann konnten wir endlich alle gemeinsam nach Hause fahren.

Sonnige Grüße. 

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