Blogparade: Müssen Kinder teilen lernen: ja oder nein?

Müssen meine Kinder teilen? Diese Frage stellt Mamaskind.de bei ihrer Blogparade. Wie läuft das bei uns? Spoiler: Hier wird niemand zum Teilen gezwungen.

Das Spielzeug gehört allen. Das Teilen geht (meist) automatisch.

OHNE ZWANG TEILEN

Wenn es um Essen oder Spielzeug geht, dann geht die Geschwisterliebe bei uns schnell mal den Bach runter. Der Kleine ist fast zwei Jahre alt und lässt sich vom bald Vierjährigen längst nicht mehr alles einfach wegnehmen. Da wird gehauen, geschubst, gebissen und lautstark geschrien um sein Hab und Gut zu verteidigen. Wie furchtbar! Genießen die etwa keine Erziehung? Doch. Aber wenn Kind A etwas geschenkt bekommt, dann gehört es nun mal Kind A. Punkt. Meine Jungs können selber entscheiden, ob sie ihr Essen oder Spielzeug teilen möchten. Sie müssen es nicht, nur weil sie Geschwister sind.

Im Alltag läuft das tatsächlich auch relativ gut. Nicht immer, aber meistens bietet der Große dem Kleinen etwas zum Tauschen an. Manchmal klappt es, manchmal nicht. „Dann warte ich bis Alwin keine Lust mehr hat“ TADAAA! Kein Gezanke.
Das ist nämlich genau das, was ich den beiden immer sage „Irgendwann hat der andere keine Lust mehr auf das Spielzeug und dann kannst du es haben“.

Generell versuchen wir solche „meine – deine“ Situationen gar nicht erst zu schaffen. Die beiden Tablets die wir haben, gehören zum Beispiel schlichtweg allen. Sie sind zum Spielen da, zum Hörspiel hören und bei langen Autofahrten zum Langeweile vertreiben.
Die Legoteile gehören auch allen. Deshalb kaufen wir immer mal zwischendurch etwas und schenken es nicht (nur) zum jeweiligen Geburtstag. Da wird dann automatisch geteilt.

Natürlich schenken Verwandte gerne mal was und dann gehört das eben dem jeweiligen Kind. Das bedeutet auch, dass jenes darüber entscheiden darf, wer damit spielt. Ich zum Beispiel möchte auch nicht dass jeder Mensch da draußen ungefragt mein Handy nutzt oder sich an meinen Stück Käsekuchen bedient. Ausnahme sind mein Mann und meine Kinder (wobei die Jungs nicht an mein Handy dürfen.)

Es gibt selten etwas doppelt. Wer mit was spielen mag, muss lernen zu warten.

ESSEN TEILEN

Ich esse gerne und ich mache sehr gerne etwas für andere. Ich mag es aber nicht, wenn jemand von meinem Teller klaut. Dennoch machen wir das untereinander, wenn wir zum Beispiel im Restaurant sind. Ich koste beim Mann, er bei mir. Manchmal tauschen wir nach der Hälfte die Teller.
Die Kinder bekommen das natürlich mit. Nicht selten fragt mich Simon „Möchtest du auch bei mir probieren?“, ohne dass ich ihn darum bitten muss.

Ich möchte euch einige Beispiele nennen, die sich in den letzten Monaten zugetragen haben, ohne dass ich mich in das Thema einmischte.
Situation eins:
Ich war mit dem Großen einkaufen und er bekam an der Kasse zwei Bonbons. Einen futterte er sofort auf, den anderen steckte er in seine Hosentasche „Das ist für Alwin“ verkündete er und als wir Zuhause waren, gab er seinem Bruder den Bonbon.

Situation zwei:
Eines Abends hatte ich nur noch einen kleinen Pudding als Nachtisch. Während ich noch grübelte wie ich das Gemecker umgehen kann, sagte Simon „Dann teile ich den mit Alwin“

Situation drei:
Wenn wir in der Früh das Toast, oder am Abend das Brot schneiden, verteilt der Kleine ganz oft an jeden ein Stück.

Situation vier:
Im Restaurant bekam der Große neulich zwei Päckchen Gummibärchen. Eines gab er an Alwin weiter. Dieser verputzte gleich das ganze Paket, während Simon sich seine aufgehoben hatte. Als er dann schließlich seine Gummibärchen öffnete, gab er seinem Bruder sofort welche ab, obwohl er selber von Alwin keine bekam.

Das sind vier kleine Beispiele, die mir zeigen, dass es so verkehrt nicht sein kann, wie wir das handhaben.

ALLES HARMONISCH?

Man könnte jetzt denken, dass das bei uns immer so läuft und wir uns hier alle von einem großen Teller bedienen und jeder spielen kann, womit er möchte.
Ganz so krass ist es natürlich nicht. Selbstverständlich möchte der Kleine GENAU DIE Bausteine haben, die der Große gerade zum Haus bauen braucht. Natürlich ist das rote Auto vom Bruder viel interessanter als das eigene grüne. Meistens lasse ich die beiden einfach machen. Und ich bin nicht selten erstaunt darüber, wie oft sie selber Lösungen finden.
Das klappt allerdings auch nicht immer. Wie gesagt, da wird mitunter geschubst und gebissen. Dann gehe ich natürlich dazwischen und erkläre immer wieder, dass man entweder tauschen kann oder eben wartet bis der andere keine Lust mehr auf das Spielzeug hat. Das gibt durchaus Wutanfälle oder noch mehr Geschrei, allerdings ist das tatsächlich die Ausnahme.

Also; Meine Kinder teilen sich, mehr oder weniger, automatisch ihre Spielsachen, weil es dein und mein im großen Stil nicht gibt. Sollte dann doch mal einem Kind eindeutig etwas ganz alleine gehören, dann hat es die Entscheidungsgewalt darüber.
Genau wie wir als Erwachsene. Müssen meine Kinder es also lernen? Klar, irgendwie schon. Aber das geht bei uns durch das Vorbild sein und nicht durch Zwang.

Sonnige Grüße.

2 Gedanken zu „Blogparade: Müssen Kinder teilen lernen: ja oder nein?

  1. Hach Shy,
    das liest sich so toll bei euch!
    Ich denke, du bist eine Portion gelassener als ich und das ist so wertvoll. <3
    In meinem Kopf ist immer Kino: "Was passiert, wenn…"
    Tatsächlich teilen meine Jungs auch mal, aber das kommt eher selten vor. Oder vielleicht bilde ich mir vieles ein, weil ich manchmal grundgestresst bin. ^^
    Vielen, vielen Dank für deinen Beitrag.
    Ich hoffe, ich (und andere) kann mir eine Scheibe abschneiden.
    Das ist doch ein wünschenswerter Zustand. <3
    Liebe Grüße
    Sarah

    • Ich kann deine Gedanken gut nachvollziehen. So geht es mir ja auch manchmal.
      Vielleicht sieht man oft auch einfach nicht, wie viel im Alltag geteilt wird? Ganz beiläufig machen das alle bestimmt ziemlich häufig.

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