Die Sache mit den Plätzchen

Jeder kennt diese Bilder von tollen Familien die zur Adventszeit in der Küche stehen und gemeinsam backen.
Die Mutter hat einen formschönen Pullover mit Weihnachtsmotiv an. Die Frisur sitzt perfekt. Sie hat ein Lächeln auf den Lippen und einen kleinen Fleck Mehl auf der Nase.
Der Vater ist von oben bis unten weiß! Überall auf dem Rentier-Pullover sieht man die Abdrücke von Kinderhänden. Auch er lacht vergnügt, während er mit dem großen Sohn den perfekten Teig verarbeitet.
Dem kleinen blonden Mädchen mit den Engelshaargummis muss noch geholfen werden. Gemeinsam mit ihrer Mutter stechen sie kleine Sternschnuppen aus. Gerade noch am Rand des Bildes erkennt man einen Stubenwagen. Kind (Baby) Nummer drei schläft friedlich und seelenruhig.
Und auch wenn man es nicht hören kann, so weiß man, dass im Hintergrund „In der Weihnachtsbäckerei“ und „Coming Home For Christmas“ läuft.
*hach*

20151125_133104

Die Plätzchen sind fertig!

Von all diesen Fotos habe ich mich blenden lassen. Auch ich wollte eine Plätzchen backende Mami (ohne dämlichen Pullover und mit zusammengewurstelten Haaren) sein! Ich wollte ein fröhliches Kind, welches Spaß am Ausstechen hat!

ABER DANN KAM DIE REALITÄT

Noch während ich den viel zu fluffigen Teig knetete, meckerte Simon in einer Tour. Er wollte auf den Arm, er wollte sehen was ich da mache. So schleppte ich also (mit einer Tonne Teig an/zwischen den Fingern) einen Stuhl an die Arbeitsfläche und ließ ihn hochklettern.
Andauernd wollte er seine Griffel in die Schüssel packen und wenn er es schaffte, naschte er den Teig.
„Mama ist gleich fertig.“
„Lass mich noch ku… Nein! Nicht den Teig essen!“
„Geh erst mal wieder runter“
*heb ihn runter*
„Gleich kannst du wied…“
„MAAAHMMMAAAA – WÄÄHÄÄHÄHÄHÄ“
*zuppelt an meinem Hosenbein*
„Gleich Spatz!“

Fünf Minuten später…

Simon stand wieder auf dem Stuhl und ich knetete weiter den verdammten Teig. Er wurde einfach nicht so, wie er sein sollte. Er hatte die Konsistenz eines Rührkuchens.
Irgendwann habe ich aufgegeben, stellte den Teig einfach kalt und legte Simon in die Federn.

Derweil wurde mir auf Twitter geraten mehr Mehl zu nutzen. Da ich selber auch die Idee hatte, wollte ich es nachdem Mittagsschlaf ausprobieren.

Eine Stunde später…

Natürlich! Ausgerechnet heute schlief der Kleine nur eine Stunde. Da war weiteres Meckern vorprogrammiert.
Schnell also zu Mittag gegessen und ran an den Teig!
Das weitere Mehl sorgte tatsächlich dafür dass der Teig endlich die gewünschte Konsistenz bekam.
Schnell noch die Arbeitsfläche eingemehlt (ist das ein Wort?!), dann Simon auf den Stuhl gepackt und ab dafür!
Gemeinsam rollten wir den Teig aus. Anschließend zeigte ich ihm, wie man die Plätzchen aussticht. Auch er bekam Förmchen in die Hand, wollte aber selbstverständlich meistens meine haben.
Und dann war da noch das Problem mit dem Teig, der immer wieder genascht wurde.
Dass sich das Mehl mittlerweile auf dem gesamten Kind und auf mir verteilt hat, brauche ich nicht extra erwähnen, oder?
Hin und wieder wurden meine ausgestochenen Plätzchen auch überstochen. Wie bei einem Tattoo, welches man sich fälschlicherweise für seine große Liebe hat stechen lassen.

20151125_130355

Simon beim Plätzchen ausstechen.

War ein Blech im Ofen, belegte ich das nächste. Dafür musste der Kleine aber runter.
„WÄÄÄÄHHHÄ – MAMA, MAMA, MAMA!“
Er zuppelte solange an meiner Hose, bis diese sich dafür entschied unter meine Knie zu wandern.
Na toll!

Während ich also meine Hose wieder richtete und der Kleine mir am Bein klebte, war es Zeit die ersten Plätzchen aus dem Ofen zu holen.
Das gelang sogar ohne weitere Zwischenfälle.
Nächstes Blech reingeschoben, den Kleinen wieder auf den Stuhl geparkt und ab zum nächsten Ausstechen.
„BITTE! Hör auf den Teig zu naschen.“ drängelte ich immer und immer wieder. Aber der Kleine fand es witzig. Und immer, wenn man ihm etwas verbietet, energetisch verbietet, wird er böse. Also kloppte er voller Wut auf den ausgerollten Teig ein. Dabei verwandelte sich die Küche in eine noch größere Mehlsauerei. Dann und wann flogen auch Teigreste auf den Boden. Das habe ich natürlich nicht immer mitbekommen und so latschte Simon mit seinen Lederhausschuhen immer mal wieder drüber.

Zwischen Ausstechen, Blech belegen, aufpassen dass das Kind nicht noch mehr rohen Teig naschte, musste ich auch immer ein Auge auf den Ofen haben. Die Plätzchen brauchten höchstens 15 Minuten, meist nur 10 und so verstrich die Zeit wie im Flug.
Es sind mir tatsächlich keine angebrannt! Gut, einige sind dunkler als andere, aber schwarz wurde kein einziges!
Unsere Küche ist nicht gerade groß und so stand das heiße Blech oft gefährlich nah am Rand des Tisches. Allerdings machte der Kleine einen immer wieder darauf aufmerksam dass es „heiiiiiß“ ist.

Irgendwann hatte Simon keine Lust mehr auf das Ausstechen. Auch nicht auf singen, Quatsch machen oder sonstiges was in der Küche stattfand. Also machte ich noch schnell den Rest fertig, ignorierte für einen kurzen Moment das Gemecker und wollte uns dann umziehen.
Da wurde mir das Ausmaß der Teigschuhe erst mal richtig bewusst. Er konnte die Schluppen auf keinen Fall anbehalten, weil er damit nur über das Laminat rutschen würde.
Ich versuchte die Schuhe zu säubern, aber es gelang mir nicht.
Es war mir, für diesen Tag, auch vollkommen egal.
Das Plätzchen backen hat mich so fertig gemacht, dass ich einfach nur noch ins Bett wollte.
Aber das ging ja nicht, der Kleine war hellwach.
Ich musste wirklich mit mir kämpfen, in unserer Kuschelecke nicht einzuschlafen.

„Nie wieder backe ich alleine mit einem Einjährigen.“
Das schrieb ich wenige Minuten nach unserer Odyssee meinem Mann.

Wie läuft das bei euch? Backt ihr Plätzchen? Machen die Kinder mit?

Sonnige Grüße.

PS: Auch wenn es sich nicht so lesen mag, wir hatten dennoch viel Spaß dabei. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.