Geburtsklinik mit Herz

Ich habe neulich einen Bericht von Motherbirth gelesen, bei dem sie über ihre Klinik schwärmte. Leider hat diese mittlerweile geschlossen, was trauriger Alltag in Deutschland ist.
Dennoch brachte mich dieser Artikel dazu wieder über meine Klinik nachzudenken und ich denke mit Freuden zurück an die Zeit.
Ich habe zwar schon über die Geburt geschrieben, möchte aber die Klinik nochmal besonders hervorheben. Denn leider wird man nicht immer so gut betreut und begleitet, wie in meinem Fall. Es soll also weniger um die Geburt an sich gehen, sondern mehr um das Personal.

ES BEGINNT
Nachdem ich ja keinerlei Kurse in der Schwangerschaft besucht habe, weil ich diese nach wie vor für unwichtig halte, war ich mir beim einsetzen der Wehen nicht 100% sicher ob es wirklich los ging. Nach einigen Stunden zögern, fuhren wir um drei Uhr Nachts in die Klinik.
Dort angekommen überkam mich sofort ein Gefühl der Sicherheit. Die Dame die uns empfing kümmerte sich total lieb um mich und die drei anderen Schwangeren. Nachdem ich an’s CTG angeschlossen und einige Untersuchungen gemacht wurden, haben sie festgestellt dass ich genau zum richtigen Zeitpunkt in die Klinik gekommen war. HA! Da  war ich schon ein bisschen stolz auf meinen Instinkt.

Wie dem auch sei. Sie führten mich in das Wehenzimmer. Machten Musik an. Machten das Licht kuschlig. Ich lief herum, krabbelte auf dem Boden, wälzte mich auf dem Sofa. Ich durfte alles machen.
Es dauerte nicht lange, da kam ich in den Kreißsaal. Auch dort konnte ich wieder umherlaufen oder mich setzen/legen. Wieder machten sie Musik an, sorgten für eine Stimmung, die fast schon etwas romantisches hatte und strahlten ungeheure Ruhe aus.

Zwischendurch gab es immer wieder Untersuchungen. Alles lief prima.
Mir wurde ein Bad eingelassen und ich konnte einige Minuten entspannen.
Doch alsbald stellten sie fest, dass der Kleine nicht richtig lag. Das war der erste und einzige Moment, in dem ich etwas Angst bekam.
Ich lag damals auch nicht richtig und musste per Kaiserschnitt geholt werden. Nun hatte ich die gleiche Befürchtung, die mir auch bestätigt wurde.
„Wir werden alles versuchen, dass es nicht zu einem Kaiserschnitt kommt. Es KÖNNTE aber passieren.“ Ich wollte es nicht. Ich wollte es partout nicht und ich hatte das Gefühl dass es auch nicht so weit kommen würde. Immerhin war das eine spezielle Geburtsklinik! Die haben doch Ahnung! Die werden schon wissen was sie machen müssen!
Und so war es auch. Ganz geduldig machten sie verschiedene Übungen mit mir. Alles nur solange, wie ich es aushielt. Kein Zwang, kein Druck. Das ließ mich etwas entspannen (sofern das eben möglich ist bei Wehen).

Mein Mann wurde stets eingebunden, sofern er und ich das wollten. Kleinigkeiten,  die großes brachten, konnte er übernehmen. Eine Massage am Rücken, gutes zureden, ein Wasser bringen. Es war gut dass er dort war und gut, dass er mitmachen konnte.
Die Schwestern brachten mir ein warmes, flauschiges Kirschkernkissen. Nicht dass es viel brachte, aber es tat gut. Mental.

Zwei oder dreimal wurde ich nach einer PDA gefragt. Nach mehrfachen verneinen ließen sie es gut sein, auch wenn sie mir eine Herz legten. Die Wehen kamen in so kurzen Abständen, dass ich kaum zum Luft holen kam. Dennoch, weder Kaiserschnitt noch PDA. Da blieb ich stur!

Als um sechs Uhr früh der Schichtwechsel vollzogen wurde, war ich traurig. Ich hatte mich gerade an die Ärztin, Hebamme und Schwestern gewöhnt, da kamen neue.
Diese stellten sich bei mir vor und waren ebenso nett und ruhig wie die anderen. Zum Glück!
Wieder Untersuchungen, wieder die kurze Frage nach der PDA. Ich musste schon schmunzeln und erklärte auch ihnen, dass ich das nicht wolle.

Als irgendwann um sieben Uhr rum die Fruchtblase platzte, freuten sich die Schwestern und sagten mir dass nun der Endspurt bevorsteht. Dennoch blieben sie ruhig und gelassen. Das hat sich auf mich übertragen. Keine Hektik, keine Panik. Es war eben was ganz normales und natürliches.

Noch drei weitere Stunden dauerte es, bis Simon (den Namen hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu 100%) sich auf den Weg machte. Während die Ärztin und eine Schwester sich bereit machten ihn zu empfangen, stand eine Hebamme neben mir und sagte mir was ich zutun habe. Nach drei oder vier Presswehen, hieß es, dass er schon mal beim nächsten mal da sei! Das machte mich so euphorisch, dass ich bei der nächsten Wehe falsch atmete und es somit doch noch etwas länger dauerte.
Die Hebamme sprach mir gut zu, blieb ruhig und sagte mir dass ich es gut so mache. Nun ja, was soll sie auch sonst sagen? 😉

DANN WAR ER DA
Endlich war mein kleiner Junge da!
Er wurde mir sogleich auf Bauch und Brust gelegt. Ein Handtuch legten sie über uns drüber und so kuschelte er auf mir rum. Nichts sagend. Einfach so schaute er durch die Gegend. Ganz ruhig.
Er wurde nicht sofort gewogen, vermessen, in ein Bad gestopft oder sonstiges. Er wurde zu mir gegeben. So wie es sich gehört.
Ich weiß nicht mal mehr wann genau mein Mann die Nabelschnur durchschnitt. Bevor sie ihn mir gaben? Egal. Jetzt war er ja da.
Meine Wunde wurde versorgt, während das namenlose Baby auf mir lag. Und dann gingen alle aus dem Raum.
Nur Stephan, Baby und ich waren noch da. Das war toll. Man konnte es einfach genießen.

DANN GING ES WEITER
Irgendwann kam eine Schwester wieder herein und erst dann wurde gewogen und gemessen. Erst dann fragten sie uns nach dem Namen und bereiteten mich für das Zimmer vor.

Während er wieder auf mir lag, wurde ich auf’s Zimmer geschoben. Überall trafen wir nette Menschen die gratulierten und fröhlich lächelten. Jeder freute sich, obwohl es Alltag für sie war.

HILFE WAR IMMER DA
Simon schlief unglaublich lange. Ohne dass er was zu sich genommen hatte. Da rief ich zum ersten Mal nach Hilfe. Man versicherte mir dass er sich schon melden würde, wenn er Hunger bekäme.
Derweil gab es Suppe für mich. Die hat sogar geschmeckt und hatte nichts von „Krankenhausfraß“.

Der Kleine wurde wach und wieder rief ich um Hilfe. Wie geht das mit dem Stillen überhaupt? Geduldig wurde mir alles gezeigt.
Immer und immer wieder. Denn es gab Probleme. Simon war sehr ungeduldig, das machte mich nervös, weil ich dachte, ich mache etwas falsch.
Irgendwann wurde es besser und ich musste nicht mehr ständig den roten Hilfeknopf drücken.

In der ersten Nacht schlief er neben mit auf einem Stillkissen. Die Hebamme versicherte mir, dass nichts passieren kann wenn wir zusammen in einem Bett liegen. Sollte er wach werden, gibt es erste Anzeichen für Hunger bzw das Verlangen nach Nähe, in Form von „an die Brust wollen“.
„Ihr Baby muss nicht erst schreien damit es an die Brust kommt. Achten Sie auf verschiedene Signale.“
So verlief die Nacht relativ ruhig. Zweimal holte ich dennoch Hilfe, weil es mit dem Stillen nicht 100% klappen wollte.

Die zweite Nacht war da schon etwas härter. Simon ließ sich nicht ablegen. Er wollte nur auf meinem Bauch liegen. Immer, wenn ich dachte er schläft tief und fest, legte ich ihn auf das Kissen. Doch dort wurde er prompt wach und brüllte.
So habe ich ihn auf mir schlafen lassen, ohne selber die Augen zu zumachen. Klappten sie mir dennoch mal zu, erschrack ich fast und war wieder wach.
Irgendwann konnte ich nicht mehr. Wieder drückte ich den Knopf. Die Hebamme nahm Simon auf den Arm und ging mit ihm durchs Zimmer, derweil konnte ich endlich mal zur Toilette. Mitten in der Nacht duschte ich, weil ich so fertig war und zog mir frische Klamotten an.
Ich erklärte der Hebamme die Lage. „Schlafen sie ruhig, während Simon auf ihren Bauch liegt. Es kann nichts passieren. Sie nehmen keine Medikamente, rauchen nicht, haben kein Alkohol getrunken. Es kann nichts passieren. Ihr Instinkt lässt das nicht zu. Egal wie müde und fertig sie sind, bevor ihr Kind aus dem Bett rollt, werden sie wach.“
Ich traute dem Braten noch nicht so ganz. Gehören Kinder nicht in’s eigene Bett? Was ist mit dem plötzlichen Kindstod, vor dem SO oft gewarnt wird? „Sie schlafen doch auch besser wenn ihr Mann bei ihnen ist, oder? Wärme. Geborgenheit. Nähe. Liebe. Das braucht ihr Baby und das bekommt es nicht, wenn es im eigenen Bett liegt. Das geht gegen seine, unsere, Natur.“
Ja! Das leuchtet ein. So einfach ist das also?
Ich konnte mir gar nicht weiter Gedanken darüber machen, weil wir beide endlich ruhig einschliefen und einen erholsamen Schlaf hatten.

Danke, an diese wunderbare Klinik! ♥

Sonnige Grüße.

2 Gedanken zu „Geburtsklinik mit Herz

  1. Hi du
    Da wir ja aus der selben Stadt kommen und sicherlich in der selben Klinik entbunden haben, kann ich dir nur beipflichten. Ich fühlte mich auch die ganze Zeit super betreut und es wurde auf alle meine Bedürfnisse eingegangen. Das Personal und die Hebammen waren super nett. Auch mein Sohn lag anfangs nicht richtig und auch ich wurde auf die Möglichkeit eines Kaiserschnitts hingewiesen. Ich wollte jedoch auch partout keinen operativen Eingriff. Eine Hebamme sagte mir später, dass ich Glück hatte, dass an diesem Tag ein bestimmter Arzt da war, der nicht so schnell ist mit Kaiserschnitten. Andere Mediziner haben anscheinend nicht so viel Geduld und machen eher einen Kaiserschnitt. Mein Sohn kam dann ganz von selbst auf die Welt und es war genau so wie du es beschrieben hast. Ich bekam ihn gleich auf die Brust gelegt und wir durften alleine sein.
    Liebe Grüße Anke

    • Ach wie schön! Ich freue mich immer wenn ich sowas lese. Das bestätigt einfach die Kompetenz dieser Klinik. Auch wenn es bei mir mit der zweiten Geburt nicht ganz so toll lief. Dieses mal war allerdings auch eine andere Hebamme dabei und jene hat es mir ETWAS madig gemacht.
      Auf Station sah es dann wieder GANZ anders aus. Da hatte ich dann meine liebgewonnene Klinik wieder. 🙂

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