Manchmal nerven die Kinder

In letzter Zeit habe ich vermehrt das Gefühl man darf sich bloß nicht negativ gegenüber seinen Kindern, seinem Partner oder den Wollmäusen äußern. Doch stellt euch vor, es ist nicht immer alles eitel Sonnenshyn. Und genau deshalb darf man auch mal meckern und seine Familie trotzdem lieb haben!

Meine Kinder, die manchmal nerven!

Meine Kinder, die manchmal nerven!

BITTE NUR POSITIVES

Ich bin der Meinung nur authentische Blogs zu lesen und auch bei mir könnt ihr euch sicher sein dass ich nicht durchgängig das positive Familienleben zeige, sondern auch meine Schwächen preisgebe.

Viele meinen vielleicht dass es zwischen Mutter und Kind immer rund laufen muss. Dass man sich immer ganz dolle lieb hat und niemals laut wird. Dass wir immer gemeinsam artig am Tisch sitzen, Händchen halten und uns einen guten Appetit wünschen. Dass die Kinder Abends fröhlich in’s Bett springen und quasi von alleine einschlafen. Danach hat man dann die traute Zweisamkeit mit dem Partner. Mit eben jenem steht man dann am Türrahmen, seufzt zufrieden und erfreut sich der seelig schlafenden Kinder, ehe man sich auf’s Sofa zurückzieht und einen kuschligen Filmabend macht! Hach schön!

Mööööööp!

ICH DARF AUCH UNZUFRIEDEN SEIN

Es gibt einfach die Momente, da bin ich von den Kindern genervt. Ja, auch von dem kleinen, niedlichen und harmlosen Baby. Es gibt Momente da wird mir das, ach so tolle, Stillen zu viel. Da möchte ich nicht dass er mir wieder an der Brust hängt, da habe ich keine Lust ihn durch die Gegend zu schleppen und da bin ich zu faul das Tragetuch zu binden. Es gibt Momente da möchte ich dass er ENDLICH schläft und ich lange meine Ruhe habe. Ich würde dann gerne etwas essen, Baden gehen oder mir fünf Tonnen Schminke in’s Gesicht klatschen, damit ich einigermaßen frisch aussehe.

Und ja, ich bin manchmal genervt wenn das Baby schnell wieder wach wird. Denn vielleicht war ich noch nicht fertig oder wollte noch etwas mehr Erholung. Manchmal möchte ich auch mit dem Großen erst fertig spielen.

Es gibt aber auch Momente, da möchte ich mit dem Großen nicht kochen spielen. Habe keine Lust ihm die Windel zu wechseln. Will nicht mit ihm durch die Pfützen springen.

Ich bin hin und wieder genervt, wenn es schon gleich in der Früh nur geknatsche gibt. Wenn ich den falschen Pullover rausgesucht habe und Simon die Haare nicht kämmen kann. Es gibt Augenblicke, da nervt es mich wenn er seine Hose bekleckert oder der Becher mit Saft umfällt.

Und das darf ich dann auch sagen!

BLOß NICHT NEGATIV ÄUßERN

Oder darf ich das etwa nicht? Darf ich nicht mal von meinen Kindern genervt sein? Ich habe das Gefühl dass dann gleich mit dem Finger auf einen gezeigt wird „Wie kann sie nur???“ Doch sind wir nicht alle mal genervt?

„Genieße jeden Augenblick, sie sind doch so schnell groß“ Das höre ich sehr, sehr oft und das ist natürlich absolut richtig. Aber nur weil ich MAL mecker oder MAL genervt bin, heißt das noch lange nicht dass ich die Momente mit meinen Kindern nicht genießen würde. Außerdem hilft mir meckern manchmal einfach. Dann motze ich rum und im nächsten Moment ist alles wieder in Ordnung.

„Sei froh dass du überhaupt stillen kannst!“ Ja, das bin ich. Sehr sogar. Es vereinfacht vieles, es ist wunderschön und eben das Beste. Aber muss ich es deshalb IMMER mögen? Jede einzelne Sekunde? Es kann einfach sehr an den Kräften zehren, wenn das Baby die ganze Zeit an der Brust hängt. Man kommt dann zu kaum etwas. Und gerade wenn man noch ein älteres Kind hat, wird es manchmal schwierig.

„Dann still doch im Tuch“ auch das habe ich schon gemacht, aber es fühlt sich für mich nicht richtig an. Irgendwie so zwischen Tür und Angel und das mag ich nicht. Es ist und bleibt eine Notlösung.

„Sag nicht dass sie nerven, es sind deine Kinder!“ Tja nun, ich bin auch manchmal von meinem Mann genervt, oder einer Freundin oder vom Nachbarn. Warum darf ich denn dann nicht auch von meinen Kindern genervt sein? Und wieso sollte ich das nicht sagen?

Ich denke jetzt schon sehr oft an „früher“. Als Simon noch nicht laufen konnte, als ich ihn stillte oder das erste mal im Arm hatte. Auch ich habe schon diese vielen „letzten Male“ erlebt und schaue hin und wieder wehmütig zurück. Doch sehne ich mich nicht danach. Ich will den Großen nicht mehr stillen, ich will ihn nicht mehr mit Brei füttern und ich will ihn nicht mehr in Schlafsäcke hüllen. Und trotzdem fand ich das damals (meistens) toll.

Mir ist absolut bewusst dass Kinder wertvoll sind, sie nicht mit Absicht nerven oder sie sich absichtlich zwanzig mal am Tag mit Milch vollspucken, aber deshalb kann und muss ich nicht immer so tun als ob ich das alles toll finde. Ich muss das auch nicht nach außen hin so aussehen lassen. Wenn ich am meckern bin, dann bin ich eben am meckern. Und wenn ich mich über einen stressigen Tag aufrege oder froh bin wenn die Kinder schlafen, dann bin ich deshalb keine schlechte Mutter.

OFFEN UND EHRLICH

Ich kann ruhig offen und ehrlich zugeben wenn ich genervt bin. Und ich kann auch ganz offen sagen, wenn ich meine Kinder mal nicht vermisst habe. Wenn ich zum Beispiel meine Eltern besuche und meine Cousinen Simon abholen, dann freue ich mich. Ich weiß dass der kleine Kerl in guten Händen ist und genieße dann meine freie Zeit, die ich ganz für mich habe. Ich weiß ja dass er nach einigen Stunden wieder bei mir ist.

Manchmal ist mein Mann den ganzen Tag mit Simon unterwegs und fragt am Abend ob ich sie vermisst habe, wenn ich dann mit einem grinsenden „Nö“ antworte, ernte ich komische Blicke. Es ist ja nicht so dass sie tagelang verschwunden sind. Ich weiß ja, dass sie Abends wieder bei mir im Bettchen liegen und wir kuscheln können.

Und sind wir doch mal ehrlich; Egal ob man ein Kind oder fünf Kinder hat, Zeit für sich alleine ist ganz selten und deshalb ebenso besonders wie die Zeit mit Kindern.

Es ist auch gar nicht notwendig immer so zu tun als wäre alles total idyllisch und als ob man mit seiner Familie im Regenbogenland wohnt. Niemand muss sich schlecht fühlen, nur weil er mal von seinen Kindern genervt ist.

Und soll ich euch mal etwas verraten? Früher oder später werden wir auch unseren Kindern auf den Geist gehen.

Sonnige Grüße.

4 Gedanken zu „Manchmal nerven die Kinder

  1. Toll geschrieben! Ja, irgendwann nervst du auch deine Kinder. 😀 Spätestens in der Pubertät wird das vorkommen. Und ich finde es wichtig, dass man seinen Kindern vermittelt, dass alle Gefühle okay sind. Auch genervt, wütend oder traurig sein. Es ist hart, wenn man das als nicht akzeptabel und rein schlecht äußert. Und du bist ebenso ein Mensch wie deine Kinder. Jeder von euch hat ein Recht darauf zu sagen, was er fühlt. Und ebenso ein Recht darauf, das auch zu fühlen. Es ist halt manchmal so. Ich bin auch manchmal genervt von meinem Vater, von meinem Bruder oder meinem Freund. Auch von meinen Kollegen. Aber das gehört ja auch dazu.

    Finde es toll, dass bei dir nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen kommt, sondern auch Dinge, die eben nicht so gut laufen. So ist es schließlich. Nicht alles läuft gut.
    Danke!

    • Ich kann mir auch sehr gut vorstellen dass man jetzt schon seine Kinder durchaus nerven kann. Manchmal pustet Simon richtig die Backen auf wenn ich was sage. 😀
      Und ich denke auch dass das ganz normal ist und deshalb finde ich es auch nicht schlimm das zu sagen. Das hat ja nichts mit „nicht lieb haben“ zu tun. 🙂

  2. Ich hatte schon bei Twitter geschrieben, dass Mütter, die sagen, ihr Kind nervt nie lügen. 😉 Ich finde es kommt total auf die Situation an. Jeder Mensch ist mal genervt, mal im Stress, will eine Pause und besonders braucht sie auch. Mit einem Kind ist es ja irgendwie „immer was“ und manchmal ist es eben ein bisschen viel. Es kommt dann auch darauf an, was man aus der Situation macht und das Gefühl des Genervtseins anzunehmen als Moment und sich dadurch nicht den ganzen Tag versauen zu lassen. Mit ein bisschen Pause und Abstand geht es meist schnell besser. 🙂

    Und klar, irgendwann sind die Eltern die Nervigen und Uncoolen. Das kann schneller gehn als man sich wünscht. 😉

    • Ich finde du fasst das ganz gut zusammen. Und, wie ich bereits geschrieben habe, die Kinder können ja in den meisten Fällen gar nichts dafür. Manchmal ist es aber eben zu viel und da kann ich durchaus von „genervt sein“ sprechen. Ich weiß auch nicht was daran so dramatisch ist, dass da gleich eine Welle gemacht wird oder das gleich behauptet wird „Nööööö ICH bin nie genervt“. Es ist wie es ist und gar nicht weiter schlimm. 🙂

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