Ja, mein Kind hat Ängste!

In den letzten Monaten hat Simon immer häufiger das Wort „Angst“ verwendet. Manchmal sind es kleine Dinge, manchmal große. Doch das ist für mich ok. Allerdings nicht für die Vielzahl fremder erwachsener (!) Menschen, die sich teilweise über ein zweieinhalb jähriges Kind lustig machen.

Gemeinsam gegen Ängste.


VIELE ÄNGSTE UND UNSICHERHEITEN

Schon lange versuche ich meinem Sohn beizubringen dass er mir sagen kann, wenn er Angst hat. Wenn er in gewissen Situationen zurückhaltend oder abweisend, manchmal sogar panisch reagiert hat, fragte ich ob er Angst habe. Mittlerweile kann er mir klar und deutlich sagen „Simon Angst an Spinne“, das macht es einfacher auf seine Ängste einzugehen und ist für mich auch kein großes Problem im Alltag.

In den letzten Wochen häufen sich seine Ängste. Manchmal mag er den Mond nicht und möchte dass ich das Rollo runter mache. Manchmal sieht er ein Haarbüschel von mir auf dem Boden und glaubt es sei eine Spinne. Hin und wieder hört er den Nachbarn bohren und dann hat er richtig Angst! Er springt mir in die Arme uns zittert am ganzen Körper. Er hält sich die Ohren zu und weint.

Als er in der Krabbelgruppe neulich nach Hause wollte, fragte ich ihn später ob er dort Angst habe; „Simon hat Angst an Babys. Babys zu laut“, seitdem bin ich nicht mehr in die Gruppe gegangen und schaue nun wie ich das künftig handhabe, denn mit Alwin möchte ich die Gruppe nicht missen.

Draußen bekommt er plötzlich Panik wenn eine Fliege (Mücke, Marienkäfer, …) um ihn herum summt. Wenn Kinder schnell auf ihn zukommen, dann rennt er panisch weg und ruft „Nein. Nein“.

Beim Arzt, im Krankenhaus oder Seniorenheim ist es ihm lange Zeit nicht geheuer gewesen.

Ich kann damit ganz gut umgehen und ihn begleiten, doch leider sehen das nicht alle so.

MANCHMAL WIRD ER VERSCHMÄHT

Ich gebe zu, manchmal bin ich etwas genervt von seinen Ängsten. Wenn man kaum einen Schritt machen kann, ohne dass er erneut vor etwas Angst hat, dann ist es hin und wieder schwer für mich, mich zusammenzureißen. Was mir aber wirklich auf den Keks geht, sind wildfremde Menschen, die sich über meinen Sohn lustig machen „Haha, hat der Angst vor einem Fussel?“, *schallendes Gelächter*, tja nun, er hat den Fussel für eine Spinne gehalten (und wem ist da nicht schon mal das Herz in die Hose gerutscht?)

Generell finde ich es Scheiße, wenn in Gegenwart von Kindern immer so gesprochen wird, als wären sie nicht anwesend und würden es nicht mitbekommen dass man über sie spricht. Wenn man sich dann noch lustig macht, ist es gleich doppelt mies.

„Hat er auch vor irgendwas nicht Angst?“, ernsthaft, was soll ich darauf antworten? Natürlich gibt es Dinge vor denen er keine Angst hat. Sehr viele Dinge sogar. Ist halt eben eine dumme Kombination, wenn ihn erst ein Kind jagt und dann eine Hummel angeflogen kommt.

Letzte Woche kam Simon ganz aufgeregt zu mir und erzählte mir ein Junge habe sein Bobbycar genommen. „Der hat wohl mal schlechte Erfahrung gemacht und hat Angst um seine Sachen!?“, JA! Wenn man ungefragt mein Auto wegnehmen würde, hätte ich auch Angst es nie wieder zu sehen!

Die von mir angesprochene Krabbelgruppe war dann die Krönung. Dass Simon nicht gut auf seinen Babybruder zu sprechen ist, ist kein Geheimnis. In der Krabbelgruppe schaffte es eines der Babys zu robben und kam auf Simon zu. Dieser rannte entsetzt weg. Erst zur Tür, dann zu mir. Er war kurz davor zu weinen und wollte partout nichts mit der Kleinen zu tun haben. „Du hast doch auch einen kleinen Bruder, stellst du dich da auch so an?“, innerlich tat mir das so weh! Mein Junge ist zweieinhalb Jahre alt und auch wenn er oft als der „große Bruder“ betitelt wird, ist er immer noch klein. Und ja, er „stellt sich auch bei seinem Bruder so an.“

SPART EUCH DIE SPRÜCHE 

Jeder da draußen hat Ängste. Der eine mehr, der andere weniger. Manche haben Angst vor dem Fliegen, andere vor dem Zahnarzt. Wieder andere vor der Dunkelheit, oder dem Alleinsein. Es gibt Leute, die können das gut verstecken und jene sind wahrscheinlich diese Sprücheklopfer. Sowas nervt. Gewaltig! Und es hilft auch niemanden. Oder glaubt ihr ernsthaft ein „Stell dich nicht so an“, oder „Ist doch gar nicht schlimm“, ist in irgendeiner Art und Weise hilfreich? Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ich im Flugzeug neben euch sitze und merke dass ihr Angst habt „Haha, runter kommen wir so oder so. Hahahaha!“, Mhm genau. Nicht so geil oder? Also spart euch eure dummen, nervigen Sprüche!

Ihr seid erwachsene Menschen und für euch mag es lächerlich sein, wenn man vor einem robbenden Baby Angst hat, aber für meinen Sohn bricht da offenbar eine Welt zusammen. Kein Grund sich darüber lustig zu machen.

NEHMT DIE KINDER UND ÄNGSTE ERNST

Mein Sohn hat oft Angst der Mond sei im Schrank. Ich erkläre ihm dann, dass der Mond gar nicht in den Schrank passt, weil er viiiiiiel zu groß ist. Außerdem gucken wir gemeinsam in den Schrank und machen die Türen zu. Manchmal schreckt er auch Nachts auf, dann mache ich fix das Licht an und zeige ihm dass die Türen noch zu sind. Innerhalb von nicht mal zwei Minuten schläft er weiter.

Wenn er Angst vor einer Fliege hat, dann erkläre ich ihm dass sie nur umherfliegt, so wie er rumläuft. Dass sie vielleicht etwas zu essen sucht oder zu ihren Freunden fliegen möchte.

Wenn er mal wieder panisch vor einem Fussel davon rennt, dann hebe ich den Fussel auf und zeige es ihm (sofern er möchte). Meistens nimmt er ihn dann in die Hand und wirft es in den Müll. Sollte mal eine echte Spinne an der Decke oder Wand sein, dann holt er mittlerweile einen Becher und wartet bis der Papa kommt. (denn die Mama kann das nicht..höhö..)

Ich finde es manchmal schwer mit Simons Ängsten umzugehen und ich weiß nicht ob ich auf dem richtigen Weg bin, weil das auch für mich Neuland ist. Aber lächerlich machen ist wirklich unterste Schublade und sollte man nie in Erwägung ziehen!

Welche Tipps habt ihr im Umgang mit Ängsten? Ich würde mich sehr über Hilfe freuen!

Sonnige Grüße.

33 Gedanken zu „Ja, mein Kind hat Ängste!

  1. Ach Ihr Lieben! Schon geschrieben und vor allem richtig gedacht. Es sind Alwins Ängste, aber wenn er sie teilen darf, kann er mutig werden. Wenn er dafür abgestraft wird, dass er seine Umgebung vll einfach feinfühliger wahrnimmt als andere, dann steht er damit sehr alleine da. Schade, dass so wenige Erwachsene noch über ihren Tellerrand kucken, auch wenn sie eigene Kinder haben (Krabbelgruppe).
    Lasst Euch nicht beirren. Für mich klingt die Anteilnahe und das gemeinsame Überwinden super!

    • Ich verstehe solche Art von Reaktion auch überhaupt nicht. Hat denn nicht jeder Ängste? Ich selber habe auch immer das Gefühl lächerlich zu sein, weil ich Angst vorm Zahnarzt habe, aber ich kann das auch abschalten.
      Wie muss das dann für Kinder sein?

      Danke für deinen lieben Kommentar.

    • Mein Sohn ist 2,5 und hat auch sehr viele Ängste zurzeit. Rote Punkte, Astlöcher in Holzbalken… Gerade nachts hat er zB Angst vor einem Wolf. Wir lesen erstmal keine Märchen mehr. Vor ldem Einschlafen und begleiten ihn mit monsterspray (dm) und Nachtlicht und gucken gemeinsam das Zimmer an. Wenns mitten in der Nacht schlimm wird schläft er bei uns.
      Das Buch wie Leo seine Angst im Dunkeln verlor liebt er und es ist schon wieder etwas besser.
      Lasst euch nicht ärgern! Die Phase geht vorüber (mal von den Spinnen angesehen – ich selbst erschrecke mich. Ich immer vor Fusseln;-).

      • Oh, gerade zu dem Thema Monster, hat hier auch Carola berichtet, dass sie ihre Kinder die Monster aufmalen lässt und dann zerreißen sie gemeinsam die Blätter oder sie malen Schutzmonster. Vielleucht wäre das ja auch eine Idee für euch?! 🙂

  2. Ich finde, du machst das schon genau richtig – dasein, bestätigen, zeigen wo keine Angst sein muss (ohne Ablehnung), heranführen. Vieles erledigt sich dann nach einer gewissen Zeit auch selbst. Ich hab bei meinen Jungs zwar keine größeren Schwierigkeiten mit Ängsten, erinnere mich aber bei mindestens einem Blog darüber gelesen zu haben, wo die Jüngste ganz lange panische Angst vor allen Tieren hatte. Insekten, Katzen, Pferde, alles. Inzwischen ist sie vier und es hat sich komplett gelegt.

    Dieses ernst nehmen ist für mich eines der wichtigsten und zentralsten Punkte im Elterndasein. Deshalb kann ich dich in deinem Tun nur sehr bestätigen!

    Das mit der Lärmempfindlichkeit könnte ein Hinweis auf sehr gutes Hören (vielleicht mal überprüfen lassen?) oder vielleicht eine leichter Hochsensibilität sein?
    Ich kenn das aber auch von meinen Jungs, denen gerade Lärm auch oft zu viel ist und da wird dann auch manchmal von „Angst“ gesprochen, wenn sie eigentlich Überforderung meinen. Das ist natürlich auch einfach eine Wortfeinheit, die sie noch nicht haben, die man aber als Elternteil dann einschätzen kann. Vielleicht wäre da auch etwas wie Autogenes Training hilfreich?

    Alles Liebe für euch! 🙂

    • Erst mal ganz herzlichen Dank für deine netten Worte. Für mich ist das ebenso Neuland wie für Simon.

      Ich hatte auch schon öfter das Gefühl, er sagt manchmal er habe Angst, obwohl es für ihn „nur“ unangenehm ist. Deshalb ist das Thema Hochsensibel noch nicht ganz bei mir angekommen, aber sicherlich etwas womit ich mich in den nächsten Tagen mal beschäftigen möchte.

      • Hi, ich habe beim Lesen direkt auch an hochsensibel gedacht. Was absolut nichts schlimmes ist, aber man weiß dann, wie man damit umgeht und wo es herkommt. Kenne selber ein paar hochsensible Kinder und Erwachsene. Und gerade Lärm, schnelle Bewegungen (Fliege, Rennende Kinder) oder auch Licht (der Mond?) Können da schon zu viel sein. 😉 Für mich ganz tolle Menschen, die durch ihre Feinfühligkeit beeindrucken und sich trotz ihrer „Probleme“ im Alltag super behaupten. LG

      • Ich würde es auch gar nicht schlimm finden, wenn er hochsensibel wäre. Nur kam mir das bisher gar nicht so richtig in den Sinn. Erst, seit er auf das Geschrei von Babys so merkwürdig reagiert.

        Auf jeden Fall werde ich mich mit dem Thema mal beschäftigen.

        Danke dir!

  3. Ui das geht ja gar nicht. Ich denke in solchen Situationen, in denen sich andere Menschen über Kinder (aber auch andere Erwachsene) lustig machen, sind sie selber irgendwie „getriggert“. Mit der oberflächlichen Reaktion wollen sie dann ihre eigenen Ängste verbergen. Nur so eine Theorie 😉
    Wirbelwind ist auch deutlich ängstlicher, als Wölkchen, zumindest so, wie ich es derzeit beobachtet habe. Fliegende kleine Tiere (Fliegen, Bienen, Mücken) mag sie auch überhaupt nicht. Dafür hat sie mir gestern aber einen Regenwurm in der Hand präsentiert. So unterschiedlich kann das sein. Laute Geräusche mag sie auch überhaupt nicht. Wenn sie weiß, was es ist, dann wird es besser. Doch während Wölkchen noch an der Baustelle steht und den bohrenden Bauarbeiter bewundert, jammert Wirbelwind, dass sie weg möchte.
    Ich hoffe Ihr findet einen Weg, mit den Ängsten umzugehen, ohne dass daraus ausgewachsene Phobien entstehen. Bisher hört es sich ja gut an, wie respektvoll Du mit seinen Ängste umgehst.
    Lieben Gruß, Wiebke

    • Das ist halt auch so ein Ding: Ich selber habe Angst vor dem Zahnarzt und war deshalb mit Simon noch nicht dort, weil ich Angst habe, dass sich meine Angst auf ihn überträgt und das will ich nun gar nicht.
      Ähnlich bei Spinnen. Ich habe zwar keine Angst, finde sie aber absolut abartig und ekelhaft. Ich mag sie nicht anfassen (deshalb muss das auch immer mein Mann machen ;)).

      Ich hoffe INSTÄNDIG dass ich meine Ängste nicht auf ihn übertrage, das wäre nicht wirklich schön.

      • Also ich bin auch so eine Zahnarztmegaängstliche und hatte auch Bedenken, ob ich nicht womöglich meine Ängste übertragen könnte. Meine Lösung war 1. eine wahnsinnig nette und sensible Zahnärztin zu finden und 2. den Kindern von meinen getrennte Termine auszumachen. Bei den Kids gehts ja erst mal eh nur um kennenlernen, sich auf den Stuhl setzen und in den Mund schauen lassen. Da wird nicht gebohrt und nix und daher bei mir auch nicht die höchste Alarmstufe ausgelöst. Und mit dem Fokus meiner Aufmerksamkeit bin ich bei meinem Kind, da rutsche ich dann auch nicht so leicht in meine eigene Angst rein, weil ich ja absolut sicher weiss, dass ich mich da heute nicht auf den Behandlungsstuhl setzen muss und dran bin.

      • Ich habe mittlerweile auch einen tollen Zahnarzt gefunden. Er wurde mir mehrfach im Umgang mit Angstpatienten und Kindern empfohlen. Ich habe ihn jetzt mal getestet und bin begeistert. Da werde ich beizeiten mal mit dem Großen hingehen und schauen wie das wird.

        Ich selber habe ja auch als Kind schlimme Erfahrungen gemacht. 🙁

  4. Hallo Chrissy,
    meine Kinder hatten öfters mal vor Monstern unter dem Bett Angst. Sie haben beide ein Hochbett, da passt schon gut was drunter.
    Ich lasse sie die Monster dann am nächsten Tag malen. Und dann nehmen wir das Papier und zerreißen es. Oder verbrennen es. Mein Söhnchen kam neulich noch drauf, dass er ein anderes Monster gemalt hat, was ihn beschützt.

    Und die beiden haben einen Traumfänger über dem Bett hängen. Das hat erstaunlicherweise am Meisten geholfen. Wir haben Ihnen erklärt wozu ein Traumfänger da ist und das sich die fiesen Träume darin verfangen wie in einem Netz. Und das sie dann gar nicht zu den Kindern herunter kommen. Seither schläft zumindest meine Tochter sehr viel ruhiger.

    • Das ist ja eine unglaublich tolle Idee! Wenn meine Kinder mal Angst vor Monstern haben sollten, wäre das auf jeden Fall etwas, was ich ausprobieren möchte! Simon malt eh ganz gerne. Das lässt sich ja auch auf viele andere Ängste übertragen.

      Für die schlechten Träume sind Traumfänger auch eine feine Sache. Manchmal sind es dann eben doch die kleinen Dinge die helfen. 🙂
      Danke für die Tipps!

  5. Klingt nach einem hochsensiblen kleinen Kerl. Und was der garantiert nicht braucht, ist Ignorieren, Denunzieren und Abhärten durch Fremde. Ist mit meinem Großen ähnlich. Ich setze da gerne was gegen. A la: „Na wenigstens ist mein Kind sicher gebunden. Deines auch?“ Oder: „er hat nur vor dummen Menschen Angst“. Wirkt Wunder …
    Liebe Grüße,
    Irene

    • Ich bin noch nicht so ganz drin in dem Thema Hochsensibel. Manchmal weiß ich auch nicht ob er wirklich Angst hat, oder ihm etwas einfach „nur“ unangenehm ist. In den nächsten Tagen werde ich mich auf jeden Fall mal mehr damit beschäftigen.

      Meistens bin ich dann zu sehr mit dem Großen beschäftigt und mag dann auch gar nicht mit den anderen darüber diskutieren. Bin dann zu genervt für sowas. Aber deine Antworten werde ich mir definitiv mal merken. 😉

  6. Mein Angstmädchen ist fast 5 Jahre. Es gibt Phasen, da ist sie fast angstfrei und welche, da sind sie sehr stark. Sie fährt schon eine Weile Rad mit Stützrädern und auch oft sehr schnell. Im Moment fährt sie so langsam, sie wäre zu Fuss schneller und schiebt viel. Auch Serien (netflix), die sie schon oft gesehen hat, gehen gar nicht, dann müssen wieder ganz einfache Sachen her.
    Es wird irgendwann bestimmt wieder besser. Verständnis hab ich leider auch oft keines, die Geduld ist oft am Ende. Aber meistens geht es doch ganz gut mittlerweile, dass ich Verständnis zeigen kann und es hinnehme, wenn Sachen anderes laufen, als geplant (Ausflüge abbrechen etc.)

    • Ich habe auch schon das Gefühl, dass Simon manchmal Angst vor Dingen erst nach einer Weile entwickelt. Wie zum Beispiel das mit dem Mond; Er schaut ihn sich eigentlich gerne an, aber dann hat er plötzlich Angst, der Mond sei im Schrank. Ich schätze das liegt auch an der aufstrebenden Fantasie der Kinder und wird in einem gewissen Alter vielleicht sogar noch schlimmer, weil sie sich mehr vorstellen können.

  7. Oh man… Das kenne ich auch nur zu gut.
    Der Große hat meist vor nichts „anfassbarem“ Angst, was es oft für Außenstehende noch schwieriger macht, es nachvollziehen zu können. Hier wird dann auch gerne der Vergleich mit der jüngeren (und charakterlich komplett anders tickenden) Schwester gezogen: „Wieso traust du dich das nicht? Deine Schwester traut es sich doch auch!!!“

    Ich könnte kotzen und heulen zu gleich…

    Wie du auch schon richtig sagtest, was sollen​diese Kommentare bringen???? Als ob er sich deswegen plötzlich weniger fürchtet!?

    Mich nervt es so unheimlich doll Verständnis für diejenigen haben zu müssen, die solche Sprüche raushauen. Egal ob sie getriggert sind oder nicht, das interessiert mich in solchen Momenten herzlich wenig. Denn in diesen Momenten geht es MEINEM KIND schlecht. Punkt.
    Hach… Ich könnte mich noch ewig darüber​aufregen…
    A er genug gemeckert
    Ja, ich handhabe es auch wie du. Ich nehme seine Ängste war, gebe ihm die Sicherheit die er braucht und erkläre ihm kurz und knackig was Sache ist. Beispiel Einkaufen gehen. Wir gehen immer in den selben Supermarkt und dennoch weicht er mir nie von der Seite. Meist umklammert er meine Hand ganz fest. Er hat Angst alleine zu sein, das ich plötzlich weg bin und das er dann nur unter Fremden ist. Ich zeige und sage ihm immer wieder das ich ihn nie alleine lassen würde ohne Bescheid zu sagen und versuche ihn mit kleinen Schritten aus seiner Angst zu „befreien“. Er bleibt mittlerweile am Einkaufswagen stehen und ich kann mich ein paar Meter entfernen. Manchmal schicke ich ihn bewusst etwas holen, so das er sich von mir lösen musst usw.
    Das ist alles nur ein Mini Ausschnitt aus meinem tagtäglichen​ „Wahnsinn“. Natürlich mag es für Außenstehende komisch wirken​. Immerhin ist er ja schon 6 und geht zur Schule. Aber es ist nun mal wie es ist und ich kann ihn eben NICHT zu seinem „Glück“ zwingen, wie es all die Klugschieter da draußen immer meinen…
    Kurz: Du bist nicht allein und du machst es genau richtig. Du hörst auf die Gefühle deines Sohnes und das ist super!!!! Das ist nämlich genau das, was ihm immer mehr Sicherheit geben wird!!!

    Ganz liebe Grüße,
    Sandy

    • Dieser Vergleich mit anderen, unter aller Sau! Ernsthaft. Ich habe das als Kind auch nicht leiden können, wenn mich immer alle mit meiner Schwester verglichen haben „Sie hat doch aber…“, das hat mir manchmal einen richtigen Groll gegen sie verschafft, obwohl sie gar nichts gemacht hat.

      Und jemanden zu sagen „ist nicht so schlimm“, finde ich auch blöde (erwische mich aber selber öfter mit dieser Floskel), weil es eben doch für das Kind in dem Moment schlimm ist. Sonst würde es ja auch keine Angst haben.

      Ja, vielleicht werden manche dadurch getriggert, aber dann sollten sie wissen wie man sich in so einer Situation fühlt und genau deshalb entweder unterstützen oder eben den Mund halten. Manchmal glaub ich, einige leben nach dem Motto „Hauptsache mal was gesagt“, ohne wirklich im Vorfeld darüber nachzudenken.

      Danke für deinen lieben Kommentar! ❤

  8. Hallo,

    Also wir haben das Problem Noch nicht so ausgeprägt aber ich finde deine Art und Weise mit den Ängsten deines Sohnes umzugehen echt super. Das merke ich mir auf jeden Fall.

    Es ist sehr wichtig seine Ängste mitteilen zu können und auch zu dürfen und offen mit Ihnen umzugehen. Dazu gehört heute zu Tage ja auch schon ein Haufen Mut. Außerdem bin ich der Meinung, um seine Ängste bewältigen zu können muss man sie doch erstmal erkennen und annehmen. Was gibt es da besseres als die Eltern, die völlig unvoreingenommene mit dem Kind zusammen die Sache anpackt

    Mach auf jeden Fall weiter so und lass dich niemals von anderen beirren. So wie du und dein Sohn mit der Situation umgehen, glaube ich, dass er zu einem sehr starken und mutigen jungen aufwachsen wird.

    LG Elli

    • Manchmal ist es gar nicht so einfach. Er brabbelt zwar wie ein Wasserfall, kann aber manchmal nicht in Worte fassen wovor er Angst hat, oder ob er überhaupt Angst hat. Manchmal ist das ja auch nur ein schmaler Grad.
      Umso schwerer ist es dann, wenn andere sich meinen einmischen zu müssen, sowas kann ich wirklich nicht leiden.

  9. Hi! Ich schreib dir jetzt einfach auch mal, auch wenn vieles schon gesagt wurde 🙂

    Angst in der Nacht oder beim Einschlafen hatte meine Tochter auch. Ein Traumfänger kann hier helfen oder ihr malt einen „Wachhund“ (der gaaaanz grimmig schaut) und den ihr dann an den Schrank klebt. Oder ihr hängt nen Vorhang vor das Bett und gestaltet so eine sichere Höhle – das hat meiner Tochter geholfen.
    Ich würde an deiner Stelle aber trotz aller Problemlösungen parallel mal auf Ursachenforschung gehen. Leg dich mal in sein Bett und schau dir den Schrank und das Zimmer an. Vielleicht wirft das Nachtlicht einen Schatten oder spiegelt sich unheimlich in den Schranktüren. Bei uns war es letztendlich die Hängelampe, die in Kombination mit dem Nachtlicht einen Schatten geworfen hat…

    Und das mit dem Auslachen geht überhaupt nicht, obwohl das so viele machen (bei uns gerade die ältere Generation). Ich würde mir an deiner Stelle ein paar Sprüche zurecht legen, die du erwidern kannst. Denn auch durch das aktive Widersprechen im Beisein seines Sohnes zeigst du ihm, dass es normal ist solche Ängste zu haben und dass du hinter ihm stehst. Auch dadurch gibst du ihm Selbstvertrauen! Und er sieht, dass er sich immer an dich wenden kann und du ihn sowohl tröstest als auch aktiv für ihn einstehst!

    • Danke für die Tipps! Das mit in sein Bett legen ist echt eine klasse Sache. Vielleicht entdecke ich dann noch etwas, an dem ich arbeiten kann. Manchmal kann er nämlich noch gar nicht richtig ausdrücken, wovor er genau Angst hat oder ob es ihm vielleicht einfach nur etwas unangenehm ist.

  10. Mein großer Sohn mittlerweile 10 Jahre alt, ist auch ein sehr vorsichtiger und sensibler Junge. Er hatte auch viele Ängste als er klein war und hat mir das mittgeteilt. Manchmal konnte ich ihn die Angst nehmen, manchmal musste ich ihn trösten und manchmal Superheldin sein. Besonders gestört hat mich der Spruch von andren „du willst doch mal ein Mann werden da kann man doch nicht gleich weinen“. Irgendwann bin ich tatsächlich an die Decke gegangen und nicht ganz nett geblieben. Ich habe meinen Sohn immer darin bestärkt mir all seine Ängste und Sorgen mitzuteilen und das macht er. Was ich euch sagen kann das die Ängste aber immer bedeutsamer werden und ich auch schon ins straucheln kam ihn die Angst zu nehmen….
    Aber ich finde meinen Jungen unglaublich empathisch gegenüber anderen und zeigt viel Geduld und Verständnis mit seinen Mitmenschen.

    • Ich habe tatsächlich auch oft das Gefühl, dass es bei Jungs noch etwas anders gesehen wird. Denn genau wie du schreibst, es sollen ja mal Männer werden. *augenroll* Finde ich ganz furchtbar sowas!

  11. Ich das nur auch nochmal schreiben. Ich glaube, das wichtigste ist: Die Ängste ernst zu nehmen. Zuhören und darüber sprechen. Und auf keinen Fall als Belanglosigkeit sehen. Das machst du wirklich prima. Mein zweites Kind ist inzwischen 4 und die meisten Ängste hat er inzwischen abgelegt. Wie Angst vor vielen Menschen, lauten Geräuschen, dem Fernseher,… Aber Fasching ist für in nach wie vor ganz schlimm. Kostüme machen ihm schreckliche Angst. Was die meisten als rießen Spaß sehen, ist für ihn furchtbar. Leider gab es dazu auch schon seltsame Bemerkungen. Gerade von einem Jungen wird da immer ein anderes Auftreten erwartet. Sehr schade

    • Oh ich kann absolut nachvollziehen dass man an Karneval Angst vor den vielen, vielen verkleideten Menschen und der lauten Musik hat. Ich bin zwischen Düsseldorf und Köln groß geworden und manche waren mir auch unheimlich, weil ich das alles als Kind auch gar nicht verstanden habe.

      Und ja, ich habe ebenfalls das Gefühl, dass ein Junge am besten vor gar nichts Angst haben sollte. Immerhin soll aus ihm ja mal ein „richtiger“ Mann werden. :/

  12. Ich finde auch, du machst das richtig gut. Du versuchst deinen Sohn zu verstehen und wenn er sich verstanden fühlt, wird sich das zumindest für ihn gut und sicher anfühlen und desto sicherer er dich fühlt, umso sicherer wird er mit sich und seiner Umwelt werden.
    Ich vermute jetzt mal aus der Ferne und anhand deiner Beschreibung, dass ihn die Geburt seines Bruders, also das Dazukommen des ersten Geschwisterkindes ihn total aus der Bahn geworfen hat. Das ruft ziemlich oft große Ängste hervor. Ich bin Sozialpädagogin und arbeite als Familienhilfe, daher ist mir sowas bekannt, außerdem kenne ich es von meiner Tochter, die mit fast 6 Jahren einen Bruder bekam und danach wie ausgewechselt war. Ganz große Verlassensängste bekam sie und konnte keine Sekunde mehr alleine sein und ängstigte such vor allem. Es dauerte fast ein Jahr, bis sie wieder sicherer wurde.
    Versuche so viel Verständnis wie möglich für deinen Sohn zu haben und gib ihm die Sicherheit, die er braucht, dann werden seine Sorgen ganz sicher bald weniger.
    Die Menschen kann man ja leider nicht verändern, nur such selbst. Also hör entweder nicht so genau hin oder erkläre, was in seiner Welt gerade los ist. Sein Universum ist gerade zusammen gebrochen. Er muss sich erst an alles gewöhnen und einen Weg finden, mit der „neuen“ Situation umzugehen.
    Ich wünsche dir viel Kraft beim Unterstützen deiner Söhne. Alles wird sich gut auflösen, ich bin ganz sicher.
    marie

    • Ja, seit der Geburt von Alwin, steht die Welt von Simon absolut Kopf. Der Kleine ist nun sechs Monate alt uns ganz langsam scheint sich der Große an ihn zu gewöhnen, was ihm sehr, sehr schwer fällt.
      Und ja, wenn ich genau darüber nachdenke, haben sich Simons Ängste erst entwickelt, nachdem sein Bruder etwa zwei, drei Monate hier war. Nachdem meine Eltern wieder fort waren, nachdem der Papa wieder auf Arbeit ging und ich hier versuchte einen Alltag mit den beiden zu schaffen.
      Die Annäherung an den kleinen Bruder findet auch jetzt erst statt, seit ich mich nicht mehr überfordert fühle und sich einiges zum positiven geändert hat. Hmm ja, es mag zwischen all den Dingen wirklich einen Zusammenhang geben.

      Ganz, ganz herzlichen Dank für deine Worte! ❤

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