Kinderärztin ohne Ahnung vom Stillen

Die gute Mo von 2kindchaos hat neulich ihren Frust über miese und schlechte Kinderärzte freien Lauf gelassen. Zu recht, wie ich finde. Sie und ihre Familie haben Alpträume durchgemacht, die Hollywood nicht verfilmen könnte.

Auch wir hatten uns mit der ersten Kinderärztin einen Fehlgriff geleistet. Es ist bei weitem nicht so schlimm wie das, was Mo alles zu berichten hat, aber es trieb mich damals in den Wahnsinn.
Bei der Blogparade von Jana, vom Hebammenblog, habe ich schon etwas darüber geschrieben (Mein Brief an mich), aber nun mag ich nochmal genauer darauf eingehen.

STILLEN NACH BEDARF SCHADET IHREM KIND
Wurde mir in der Klinik noch gesagt, dass ich meinen Sohn immer anlegen soll, war die Kinderärztin schnell anderer Meinung. Einige Zeit ging alles gut, doch nach etwa zwei oder drei Monaten hatte ich das Gefühl es würde Simon nicht gut gehen. Ich dachte an Bauchweh.
Das habe ich natürlich auch der Ärztin mitgeteilt und sie fragte mich nach meinem Still-Rhythmus. Den gab es nicht, denn ich legte immer dann an, wenn ich es für richtig hielt. Doch sie sagte mir dass das genau der Grund für seine Bauchschmerzen sei. Es ist nicht gut wenn frische Milch auf noch nicht verdaute trifft. Ich solle ihn bloß alle vier Stunden stillen.
Alle vier Stunden? Ja von diesem Rhythmus hatte ich schon gehört, aber war das nicht veraltet? Hmm aber ich wollte doch nicht die Schuld an den Schmerzen meines Kindes haben!
Also ging die Quälerei los…

TRAGEN, NOTIZEN MACHEN, RUMSCHREIEN
Ich nahm mir zu Herzen was die Kinderärztin sagte. Schließlich ist sie doch Expertin, oder? ODER?
Lange Zeit schrieb ich auf wann ich ihn anlegte und wann er aufhörte zu trinken. Wenn er nach einer Weile meckerte, schaute ich erst auf die Liste „Oh nein! Es ist noch zu früh um wieder zu stillen!“ Also trug ich ihn durch die Wohnung. Ging spazieren. Fummelte mir mein Tragetuch um den Bauch. Sang. Alberte rum und heulte manchmal einfach mit, weil es sich so unglaublich falsch anfühlte.

Zu diesem Zeitpunkt schlief er noch nicht regelmäßig bei uns im Bett, sondern im Bettchen nebendran. Wenn er Nachts wach wurde, schaute ich zuerst auf die Uhr. Wenn die vier Stunden noch nicht rum waren, dann nahm ich ihn bloß in den Arm und schaukelte ihn etwas.
Manchmal ist er dadurch wieder eingeschlafen, meistens allerdings nicht.
Gerade Nachts zerrt sowas noch mehr an den Nerven und man wird ungeduldiger als am Tag.
Doch wollte ich nicht die Schuld an seinen Schmerzen!

DU DARFST NICHT SCHON WIEDER STILLEN!
Diesen Gedanken hatte ich oft „Du darfst nicht schon wieder stillen! Die Zeit! Sein Bauchweh! Halte das Schreien einfach aus!“
Aber sowas hält man nicht einfach aus. Da liegt dieser Krümel, wühlt am Oberteil rum, schnalzt mit der Zunge, sucht wie verrückt und man weiß dass er sich durch die Brust beruhigt, aber angeblich Bauchschmerzen bekommt.

Ich war schlichtweg verzweifelt. Nach Wochen fing ich an heimlich zu stillen. Ich war nervlich total am Ende. Erzählte der Kinderärztin aber nichts davon. Dabei ging es mir aber auch schlecht. „Stille ich jetzt nur, damit ICH Ruhe habe? Oder weil es richtig ist? Was ist gut für meinen Sohn?“ Ich konnte mir diese Frage lange Zeit selber nicht beantworten. Wenn ich alleine war, hatte ich ein gutes Gefühl. Aber wenn andere anwesend waren, fühlte ich mich wie eine dieser Helikoptereltern, eine Glucke, die ihr Kind verwöhnt, die viel zu weich ist und nicht konsequent sein kann.

HEILUNG DURCH EIN WUNDER?
Irgendwann verschwanden die Bauchschmerzen. Die vielleicht niemals welche gewesen sind. Immer und immer wieder habe ich darüber gelesen dass das Stillen nach Bedarf so unfassbar wichtig ist! Dass es eben mehr ist als nur Nahrungsaufnahme. Dass es Studien gibt, die belegen dass sich das Kind dann einfach geborgen und sicher fühlt.
Gerade in ungewohnten Situationen, wenn wir zum Beispiel auf Geburtstagen waren, wollte Simon oft gestillt werden. Anfangs war das schlimm für mich, weil ich mir oft anhören musste, dass er mir ewig an der Brust hängt, wenn ich ihn bei jeden Piep anlege. Und überhaupt, mit bald sechs Monaten braucht er die Muttermilch gar nicht mehr, da kann schon Brei her. Das sah auch die Kinderärztin so.

HALTET DOCH ALLE DIE KLAPPE!

Nachdem ich wirklich sehr, sehr verzweifelt war und mein Sohn viel zu oft, viel zu lange und viel zu viel schreien musste, kam der Punkt an dem ich mir dachte: „Schnauze! Haltet doch einfach alle eure Fresse.“ Diese ganzen „Experten“. Diese ätzende Kinderärztin, die einen unsicher machte, die keine Ahnung von Bindung hat, die einfach viel zu veraltete Ansichten hat; Haltet doch einfach eure Klappe!
Das war der Zeitpunkt an dem ich die Kinderärztin wechselte und einfach nach Bedarf stillte.
Der Zeitpunkt als mein Sohn bei uns im Bett mitschlief, jede Nacht.
Der Zeitpunkt an dem ich mir von NIEMANDEN mehr in meine Instinkte und Bauchgefühle hab reinreden lassen.
Das war auch der Zeitpunkt, an dem das Leben mit meinem Baby entspannt geworden ist. Der Zeitpunkt, an dem ich mich endlich sicher fühlte und auch Simon viel besser drauf war.

Was habt ihr für Erfahrungen mit Kinderärzten gemacht?

Sonnige Grüße.

Ein Gedanke zu „Kinderärztin ohne Ahnung vom Stillen

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