Mit dem zweiten Kind wurde ich entspannter

Es ist erst einige Tage her, da habe ich den Beitrag „Mach dein Kind nicht zu einem Erwachsenen„, von Susanne (Geborgen Wachsen) gelesen. Ihr Text hat mir nochmal deutlich gezeigt, wie entspannt das hier mit dem zweiten Kind läuft.

Alwin spielt an der Xbox.

EINE JA-UMGEBUNG

In dem oben genannten Beitrag gibt es eine Passage, die mir ins Auge gefallen ist.

„[…]Die Aufgabe von uns Eltern ist nicht, sie zu einem erwachsenen Verhalten zu zwingen oder zu erziehen, sondern eine Umgebung zu schaffen, in der sie sich so bewegen können, dass sie glücklich sind und wir entspannt bleiben können.[…]“

Während ich beim ersten Kind noch oft ziemlich unentspannt gewesen bin und häufig „Nein“ rief, ist es bei meinem zweiten Sohn anders. Früher ging es oft „Nein Simon, lass die Finger von der Blume“, „Nein Simon, das ist nicht zum Spielen“, „Hör doch jetzt mal auf, ständig an der Xbox zu fummeln“, uuuund sooo weiter.
Damals kam ich nicht auf die Idee, die Dinge einfach wegzuräumen. Nö, ich war der Meinung, dass das Kind lernen müsse, dass es an gewisse Dinge nicht ranzugehen hat. Dadurch wurde das Miteinander ziemlich unentspannt und ich war ständig damit beschäftigt Simon von Dingen fernzuhalten.

Bei meinem nun acht Monate alten Baby sieht die Welt etwas anders aus. Die Blumen sind für ihn (noch) nicht zugänglich. Das Spielzeug welches er nicht haben darf (Kleinteile) werden vom Großen konsequent so bespielt dass Alwin nicht drankommt. Die Xbox steht zwar noch an ihrem Platz, aber es kümmert mich nicht mehr, wenn sie eingeschaltet wird. Schließlich kann ich auch einfach den Schalter umlegen und dann hat die Konsole keinen Strom mehr.

Generell hat Alwin hier viel mehr Möglichkeiten sich frei zu bewegen und alles zu erkunden. Und nein, er darf nicht an Steckdosen spielen, auch wenn diese natürlich gesichert sind.
Er robbt und krabbelt durch die gesamte Wohnung und hat ständig irgendwas zwischen seinen Griffeln. Er fummelt am Besen rum, er rollt Bälle durch die Gegend, haut Legosteine aufeinander oder beißt beherzt in sämtliche Spielzeuge, Schuhe oder Krümel. Er klaubt auch kleine Fussel auf und schaut sie sich an. Manchmal schüttelt er sie, um sie prüfen ob sie ein Geräusch machen. Bei Simon wäre ich binnen Nanosekunden hingesprungen und hätte ihm den Fussel weggenommen. Er hätte sich ja verschlucken können… Auch jetzt sitze ich daneben und möchte natürlich nicht, dass Alwin den Fussel futtert, aber ich bin viel entspannter.

Selbst bei der Uroma dürfen Schränke auf uns zugemacht werden.
Durfte das eigene Kind nie.

DER ALLTAG IST LEICHTER

Durch meine neue entspannte Haltung, ist der Alltag viel angenehmer geworden. Außerdem nutzte ich das Wort „Nein“ tatsächlich nur in Ausnahmesituationen und erhoffe mir dadurch einfach einen größeren Effekt. Bei Simon hatte ich früher oft das Gefühl, dass es zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus geht. Klar, wenn man ständig dieselbe Leiher hört, stellt man irgendwann auf Durchzug.

Von der Erkenntnis dem Baby nicht dauerhaft alles zu verwehren, profitiert auch der Große. Auch er bekommt ein „Nein“ viel seltener zu hören und ich lassen ihn viel mehr selbständig erkunden und ausprobieren. Ja, das ist manchmal sehr anstrengend und braucht eine Menge Geduld, aber man erntet eben auch die Früchte. Simon ist um einiges selbstständiger geworden und scheint damit auch zufriedener. Er darf im Haushalt einfach mehr machen und ist viel freier.
Früher habe ich mich aufgeregt wenn etwas nicht so gelaufen ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich habe ständig gesehen, dass Gegenstände kaputt gehen oder sich jemand weh tun könnte. Doch mit etwas mehr Vertrauen und weniger mit den Gedanken eines Erwachsenen, können sich meine beiden Jungs nun viel freier entfalten und die Welt entdecken.

Auch Alwin scheint ein viel entspannteres Baby zu sein. Wie ich schon schrieb, ist er ziemlich pflegeleicht und meckert kaum. Manchmal liegt er ruhig in einer Ecke und bestaunt einen Kochlöffel. Dann entdeckt er plötzlich etwas in der anderen Ecke des Raumes, krabbelt hin und erfreut sich wieder minutenlang an dem neuen Gegenstand.

DER UMGANG ALS GESCHWISTER

Auch wenn Alwin noch nichts sagen kann, zeigt er deutlich seine Grenzen. Wenn ihm etwas nicht gefällt, dann drückt er das mit seiner Mimik und nicht zuletzt mit Geräuschen aus.
Meine beiden Jungs sind oft zusammen. Spielen nebeneinander her. Klar, dass der Große auch mal grantig wird, wenn das Baby an seine Sachen geht. Ich bin mir sehr sicher dass ich früher mit „Du musst halt auch mal teilen“, oder ähnlichen reagiert hätte, aber jetzt lasse ich Simon machen. Meistens bringt er dann sein Spielzeug in Sicherheit und bietet seinem kleinen Bruder etwas anderes an.

Manchmal möchte der Große auch mit Alwin spielen und übertreibt es dann gerne mal. Sobald Alwin dann meckert, gebe ich Simon zu verstehen, dass es dem Bruder nun zu viel geworden ist und er sich bisher nicht mit Worten ausdrücken kann. Ich (er)kläre, ohne dem Großen einen Vorwurf zu machen. Auch etwas, was vor einiger Zeit wahrscheinlich noch anders ausgesehen hätte. Dafür merke ich aber nun, dass Simon immer häufiger von selber aufhört, wenn der Kleine anfängt zu zeigen dass er jetzt nicht spielen möchte und genau das bestätigt mich, in meiner entspannten Haltung.

Das ganze Miteinander hier, ist auf so vielen Ebenen entspannt und ruhig, dass ich manchmal vor mir selber erschrecke. Natürlich gibt es auch andere Tage. Aber im Großen und Ganzen läuft es doch recht fein! Auch wenn es bis hier her ein langer Weg gewesen ist und ich viel an mir arbeiten musste.

Wie war das bei euch, als das zweite Kind kam?

Sonnige Grüße.

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