Flug der Emotionen

Um fünf Uhr in der Früh klingelte für uns der Wecker. Viel zu früh für meinen Geschmack. Außerdem war ich erst gegen ein Uhr eingeschlafen.
Mir war sofort schlecht. Schlimmer als in der Schwangerschaft. Ich quälte mich aus dem Bett, während mein Mann schon fleißig wuselte und Simon noch seelenruhig schlief.

Als wir Simon weckten gab es gleich Protest (zu recht!). Doch er wurde schnell mit einem Knusperbrot besänftigt. Das Wickeln und anziehen übernahm ebenfalls der Papa, wie alles andere den ganzen Morgen. Er wusste, dass es besser war, mich nicht anzusprechen.
Wir packten unsere sieben Sachen und checkten aus. Das Gute an einem Hotel am Flughafen, man ist binnen einiger Minuten am richtigen Schalter. Gepäck aufgegeben, Pässe kontrolliert und ab durch die Sicherheit.
Ich weiß immer noch nicht ob mich die Polizisten mit ihren Maschinengewehren beruhigen sollten, bei mir hat das jedenfalls nicht gewirkt.
Das allerschlimmste für mich war die Tatsache dass ich meine Kopfhörer bei meinen Eltern liegen gelassen habe. Ein Flug ohne Musik, wäre für mich die Krönung des Albtraums gewesen. Mein  Mann wusste das. Also kaufte er (viel zu teure) Kopfhörer und mein Flug war gerettet.
Zumindest vorerst.

Während wir am Gate standen und das Flugzeug nach Málaga bereit stand, machte mich das Warten nervös. Stephan (so heißt mein Mann übrigens) und Simon gingen sich die Flugzeuge anschauen und ich widmete mich meiner Musik. Tarja beruhigte mich ungemein mir ihrer Stimme!
Dann ging es ans boarding und mir wurde wieder mulmig. Und immer wenn ich ein Flugzeug steige denke ich „Verdammt ist das klein!“
Nach wie vor sitzt mir der letzte Flug (London -> Düsseldorf) vor zwei Jahren im Nacken. Es war ruckelig. Sehr ruckelig. ZU ruckelig für meinen Geschmack und seitdem habe ich schlichtweg Angst.

Wir kamen zu unserem Platz und sofort kam eine nette Flugbegleiterin vorbei die mich fragte, ob ich ich das mit dem Zusatzgurt für Kinder kenne. „Bitte laber mich nicht voll.“ dachte ich mir. Weniger böse gemeint, als es sich lesen mag. „Nein, aber mein Mann wird eh das Kind nehmen.“ Hoffte ich zumindest. Denn ich nahm an, dass ich durch meine Nervosität Simon bekloppt machen würde.

Zunächst war alles in Ordnung. Das Anschnallen ging ohne Probleme und Simon schaute sich sogleich das Bilderbuch „Gute Nacht, Gorilla“ (übrigens absolut empfehlenswert!) an. Doch irgendwann wurde er knatschig. Es ging noch nicht los, es wurde warm und Geduld hat er eh nicht.
Ich war immer noch mit mir selber beschäftigt, stellte wieder meine Musik ein und wirkte offenbar sehr ängstlich. „Na nervös?“ Fragte mich mein fremder Sitznachbar. „Jep“ antwortete ich knapp und zwang mich zu einem Lächeln. „Runter kommen Sie so oder so.“ Grrrr! Ich hasse den Spruch. Mit einem kurzen Grinsen meinerseits war das „Gespräch“ dann auch beendet.

Eines von Simons Lieblingsbüchern.

Eines von Simons Lieblingsbüchern.

Simon wollte zu mir. Ich erklärte ihm dass er nun beim Papa sitzen bleiben müsse, aber zu mir kommen kann, sobald wir oben sind. Nicht, dass er irgendwas verstanden hatte, aber er gab sich erstmal zufrieden.

Der Pilot stellte sich vor. Ein lustiger Typ, der mir mit seiner Art und Humor die Angst tatsächlich etwas nahm.
Simon knatschte wieder etwas, aber man merkte dass es die Müdigkeit war. Ich stopfte ihm ein Stück Hörnchen (Milchbrötchen, Mürbchen oder wie man das in deiner Gegend nennt. 😉 ) in die Hand und er mümmelte vor sich her.
Das Flugzeug setzte sich in Bewegung. Es tuckerte herum und plötzlich fiel mir Simons Essen auf den Schoß. Zack! Eingeschlafen.

Wie sehr habe ich mir in diesem Moment auch gewünscht zu schlafen! Stattdessen drehte ich meine Musik auf und versuchte mich zu beruhigen und langsam konnte ich entspannen.

Wir starteten und Simon bekam von alledem nichts mit. Er schlief bei Papa auf dem Schoß und das lief um einiges besser, als wir es uns vorgestellt haben.
Etwa 1,5 Stunden hat der Kleine geschlafen. Derweil gab es eine Kleinigkeit zu essen, was wir ihm natürlich aufgehoben haben. So hatten wir gleich etwas, was wir ihm anbieten konnten, als er wach wurde. Anschließend beschäftigte er sich mit den Wasserflaschen und leeren Papierhüllen. Zusammen mit Papa wurde nochmal das Gorilla-Buch angeschaut. Man hat ihn wunderbar beschäftigen und ablenken können.

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Beschäftigung im Flugzeug.

Ich wagte hin und wieder einen Blick nach draußen und erfreute mich über die schöne Aussicht. Es ging mir sogar so prima, dass ich mit Simon rumalberte UND meine Musik auf Seite legte. Sogar ein netter Plausch mit dem Sitznachbar war drinnen.
Es stellte sich heraus dass der Herr Touristenführer auf Gibraltar ist. Das Ende vom Lied war, dass wir Nummern tauschten und uns eventuell treffen, wenn wir dort sind. Außerdem gab er uns noch einige Tipps für die kleine Insel.

Beim Ladeanflug wollte Simon plötzlich nicht mehr sitzen. Doch leider musste er angeschnallt bleiben. Deshalb schnell ein Hörnchen in die Hand gedrückt und schon gab er Ruhe (jaja, man soll Kinder nicht mit Essen ruhig stellen. Ich weiß!).
Um den Druck in den Ohren auszugleichen gab Stephan ihm immer wieder kleine Schlückchen Wasser, auch das lief sehr gut.

Als wir schließlich ausstiegen, bedankte ich mich beim Pilot für den wunderbaren Flug, denn dieser war wirklich ein Traum (also der Flug, nicht der Pilot). Ich überlegte ihm Geld zu bieten, damit er uns auch wieder zurück bringt, aber habe es dann doch gelassen.

Wir holten unser Gepäck und Auto ab. Im Vorfeld fragte ich mich wie das eigentlich mit den Kindersitzen in Spanien ist. Was Sicherheit im Auto angeht, bin ich extrem pingelig und war skeptisch.
Uns wurden drei verschiedene Sitze zur Auswahl gegeben. Wir nahmen einen mit und damit ging es dann zu Fred (so nenne ich unseren kleinen süßen Polo). Während ich die Koffer im Auto verteilte, machte sich Stephan an die Arbeit den Sitz einzubauen. Da das aber nicht so recht klappen mochte, holten wir uns hilfe. Der nette Mitarbeiter baute den Sitz ein und verschwand wieder.
Das nächste Problem; Die Anschnallgurte waren zu kurz und wir haben sie partout nicht länger bekommen. Wieder den netten Mitarbeiter geholt. Er suchte ebenfalls eine Weile, ehe er den Sitz ausbaute und meinte er hole einen anderen.
Mit dem neuen Sitz, den er gleich einbaute, klappte alles auf Anhieb.
Um ehrlich zu sein, dachte ich, dass wir irgendeinen abgeranzten Sitz bekommen, aber ich wurde eines besseren belehrt. Er macht einen guten und, vor allem, sicheren Eindruck.

Nun konnte unser Urlaub richtig starten.
Ab nach Sevilla, 200km weiter nordwestlich.

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Fred.

Sonnige Grüße.

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