Die Gebrüder Sonnenshyn

Simon ist jetzt seit einiger Zeit der „große Bruder“ und Alwin kennt es gar nicht ohne. Wie das so läuft und wie der Große mit der Situation zurecht kommt, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Geschwisterplüsch.

Geschwisterplüsch.


VOM EINZELKIND ZUM GROßEN BRUDER 

Zwei Jahrelang war Simon täglich mit mir zusammen. Er wurde bisher nie fremdbetreut und Bezugsperson Nummer eins bin definitiv ich.

Anderen Kindern gegenüber reagierte Simon schon immer verhalten, aber nicht schüchtern. Allerdings scheint er mit vielen Kindern schnell überfordert. Wenn andere ihm etwas wegnehmen, dann wehrt er sich nicht, sondern kommt zu mir gelaufen. Meistens steht er etwas Abseits und schaut sich grinsend das Geschehen an.

Zuhause ist er sehr aufgeweckt, neugierig und hilfsbereit. Ich war also der Meinung dass er sich schnell an das Baby gewöhnen wird. Weit gefehlt.

Alwin ist jetzt bald zwei Monate bei uns und noch immer ist Simon ihm gegenüber sehr scheu. Er holt zwar Windeln raus, reicht mir Tücher und bringt den Schnuller, aber das war es dann (meistens) auch.

Wenn ich das Baby stille, dann nimmt der Große Abstand. Sollte er doch einmal zum Kuscheln kommen, dann haut er ab, sobald Alwin ihn berührt. Er haut allerdings nicht nur einfach ab, er sagt grundsätzlich „Aua“. Das finde ich sehr merkwürdig, denn eigentlich dachte ich immer er wüsste was „Aua“ bedeutet. Manchmal versuche ich ihn wieder zum Kuscheln zu bewegen, sage ihm dass er trotz Alwin zu mir kommen kann. Das wird dann meistens mit „Simon kein Platz“ abgeschmettert und diese drei kleinen Worten tuen mir unfassbar weh. „Mama hat immer platz für dich.“ sage ich ihm dann, aber er mag einfach nicht wieder zurück zum kuscheln. Lege ich Alwin allerdings ab, kommt er gleich zu mir und klammert sich an meinen Bauch.

Ich merke dass er die Zeit mit mir, die er wirklich ganz alleine mit Mama hat, besonders genießt. Und ich auch. Leider klappt das nur nicht immer. Es passiert leider immer wieder dass ich ihn vertrösten muss. Dass ich mitten im Spiel unterbrechen muss. Oder dass ich ihn manchmal beim Mittagessen kurz alleine sitzen lassen muss.

Ich finde das schon furchtbar, aber für ihn muss seine kleine Welt einfach zusammengebrochen sein. Es muss schwer sein plötzlich der große Bruder zu sein und dass man Mama nun teilen muss.

KLEINE LICHTBLICKE

Hin und wieder gibt es kleine Lichtblicke. Simon deckt seinen kleinen Bruder zu, streichelt den Kopf oder gibt ihm sogar einen Kuss. Das ist sehr, sehr selten, aber auch sehr, sehr schön.

Es gibt auch Momente da steht er am Laufstall oder an der Couch und freut sich wenn Alwin munter wird. Wenn wir nach draußen gehen möchte er immer dass sein Geschwisterchen mitkommt. Ebenso schiebt er gerne den Kinderwagen und schaut immer mal wieder rein.
Er schaukelt die Wippe oder die Autoschale, wenn Alwin unruhig wird.

Weint das Baby, geht Simon manchmal hin, streichelt den Kopf und sagt „Alles gut Alwin.“ da schmilzt grundsätzlich mein Herz. Das ist unfassbar niedlich!

Was mir bei Alwin aufgefallen ist; Er lächelt sehr oft wenn er Simons Stimme hört. Das finde ich besonders putzig. Außerdem beobachtet er ihn sehr gerne. Ich habe das Gefühl er findet seinen Bruder oft spannender als seine Eltern.

Auch das gibt mir Hoffnung, dass die beiden irgendwann mal zueinander finden. Wobei es Alwin ja gar nicht anders kennt. Er wächst gleich mit Simon auf und wird nie wissen wie es ist zwei Jahre mit Mama alleine zu sein.

ZEIT GEBEN

Ich kann nicht viel mehr machen als Simon Zeit zu geben und ihn nicht zu drängen. So gut es geht binde ich ihn mit ein, frage ob er helfen mag. Wenn das nicht der Fall ist, dann lasse ich ihn. Er MUSS nichts in Bezug auf Alwin.

Dennoch bricht es mir oft das Herz wenn ich den Großen vertrösten muss. Ich springe den ganzen Tag zwischen beiden hin und her und habe dennoch das Gefühl, dass Simon immer hinten ansteht. Den Spagat zwischen beiden zu schaffen ist jeden Tag eine neue Herausforderung und auch ich werde noch viel Zeit brauchen, bis ich mich an diese neue Situation gewöhnt habe.

Wie war das Verhältnis bei euren Kindern?

Sonnige Grüße.

2 Gedanken zu „Die Gebrüder Sonnenshyn

  1. Huhu,

    Auch wenn dir das Verhalten weh tut finde ich du machst das alles sehr richtig. Vorallem das du ihn nicht zwingst. Vielleicht ändert sich sein Bezug zum Bruder auch erst, wenn er merkt das Alwin sich auf ihn zubewegt.
    Im Sinne von, hey großer Bruder ich will mit dir spielen, und ihm zeigt das er ihn mag.

    Bei uns steht in der Hinsicht auch eine grosse Veränderung an.
    Mein Kleiner bekommt ein Halbgeschwisterchen.
    Mein Exmann legt nochmal nach und das bringt ganz neue Probleme und Wehwehchen mit sich.
    Da bin ich auch sehr gespannt wie sich das alles entwickelt.
    Momentan macht mir das eher Bauchschmerzen, weil der Kleine gerade eh sehr hin und hergerissen ist, zwischen Mama und Papa.

    Aber, wie bei allem.
    Immer positiv denken und versuchen den Dingen ihren Lauf zu lassen.
    Ich denke das Simon Alwin auch noch in sein Herz schließt.
    Und er wird auch merken das du weiterhin für ihn da bist.

    Ganz liebe Grüße
    Chrissi

    • Oh! Das ist sicherlich nicht ganz so einfach für deinen Kleinen. Das alles zu verstehen ist bestimmt schwer. Aber ich denke ihr bekommt das schon hin.

      Dankeschön für deine Worte. Das ist lieb. Ich hoffe wirklich auf einen guten Weg zu sein.

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