Meine erste Schwangerschaft – Die Geburt (5/5)

Ich konnte es gegen Ende der Schwangerschaft kaum noch aushalten. Nicht nur, dass mir der Bauch zu schaffen machte, ich war auch einfach unglaublich neugierig. Wie wird das Leben mit Baby sein? Wie wird er aussehen? Was wird sich alles ändern? Welchen Charakter hat er? Usw.
Die letzten Handgriffe im Kinderzimmer waren erledigt. Die Farbe an der Wand, das Zimmer eingeräumt und die ersten kleinen, süßen Bodys und Strampler lagen bereit.

Doch so sehr ich mir auch wünschte, dass er endlich da ist, ich musste mich gedulden. Sogar länger als ursprünglich geplant, denn Simon machte sich erst vier Tage nach dem errechneten Termin auf den Weg.
Anfangs muss man nur alle vier Wochen zum Arzt, später alle zwei Wochen und wenn das Baby nicht pünktlich ist, dann hat man alle zwei Tage anzutanzen. Allerdings fuhr ich mittlerweile nicht mehr alleine mit der Bahn zu den Terminen, sondern wurde immer von meinem Mann begleitet. Wahrscheinlich hatte er zu jedem Zeitpunkt im Auto Angst, mir würde die Fruchtblase platzen.

Bis auf wenige Ausnahmen ging es mir sehr gut in der Schwangerschaft. Die Übelkeit am Anfang war schnell vergessen und auch die kleinen Wehwehchen nahm man hin.
Nachdem ich die ersten kleinen und kurzen Übungswehen hatte, begann ich die Kliniktasche zu packen. Natürlich mit viel zu viel drinnen. Zig Klamotten und dann noch Musik, den Nintendo DS (hey, es hätte ja langweilig werden können!), ein Buch, ein Rätselheft. Ich kann euch sagen, NICHTS davon habe ich auch nur ansatzweise gebraucht.

Am 08. August zwischen 22:00 und 22:30 Uhr bekam ich das erste Mal heftigere Wehen. Die Pausen lagen bei etwa 15 bis 25 Minuten. So um Mitternacht stand ich dann auf und hockte mich in unser Wohnzimmer. Mein Mann machte mir einen Tee und ich schaute etwas Fernsehen. Wobei ich nicht wirklich schaute, ich brauchte einfach nur Beschallung.

Die Abstände wurden kürzer. Sie lagen bei 10 Minuten, dann mal bei 8 und dann wieder bei 15. Ein auf und ab. Gegen 2 Uhr legte ich mich wieder ins Bett, weil ich keine Lust mehr hatte und noch etwas schlafen wollte. *schmunzel* Allerdings lag ich keine halbe Stunde drinnen. Irgendein ein Gefühl sagte mir, dass wir besser los sollten. Ich setze mich an den Bettrand „Sollen wir los?“ fragte mein Mann. Ich nickte nur knapp, verschwand kurz im Bad um mich frisch zu machen und durchstöberte nochmal die Kliniktasche. Dann ging es los. Komischerweise war ich sehr ruhig, nicht mal nervös. Ich hatte einfach nur mit den Wehen zu kämpfen. Der Weg vom zweiten Stock nach unten, gestaltete sich wohl ziemlich langwierig. Immer wieder hielt ich an, um mich krampfhaft am Geländer festzuhalten.
Irgendwie schleppte ich mich ins Auto und musste erst mal Musik aufdrehen. Die wunderbare Tarja trällerte mit ihrer wunderschönen Stimme und ich war für einige Augenblicke abgelenkt.
Gegen 3 Uhr erreichten wir die Geburtsklinik. Da ich mich vorher nicht angemeldet hatte (sollte man aber netterweise machen), wurden erst mal zig Formulare ausgefüllt. Ich lag an das CTG angebunden und habe manche, simple, Frage gar nicht beantworten können, weil ich so richtig gar nicht mehr anwesend war. Aber wofür hat man denn den Partner dabei? Er beantwortete fleißig alle Fragen und stand mir die ganze Zeit über bei.
Irgendwann ging es dann ins Wehenzimmer. Dort hat mir die Hebamme einen Zugang gelegt. Etwas, bei dem ich normalerweise am Rad drehen würde. Es war mir egal.

Die Schwestern machten es mir gemütlich. Sie machten schwummriges Licht an, sie legten eine CD ein, sie redeten ruhig und gelassen. Ich konnte schalten und walten wie ich wollte. Es gab eine Couch, eine Matte auf dem Boden, einen Sitzball. „Kriechen sie ruhig auf dem Boden rum, wenn es ihnen hilft.“ Und ich kroch. Ja, ich krabbelte auf allen Vieren durch das Wehenzimmer und verfluchte jede Wehe, die mittlerweile alle zehn Minuten kamen.

Lange war ich nicht in diesem Zimmer, dann ging es in den Kreißsaal, gleich gegenüber. Ein schöner Raum. Mit einer Wanne! Oh, wie ich Wasser liebe. Allgemein war ich in der Schwangerschaft viel baden. Mir wurde auch ein Bad eingelassen. Allerdings saß ich dort auch nicht lange drinnen, obwohl es gegen die Schmerzen sehr gut tat.

Also ab aufs Bett und da verbrachte ich die nächsten vier oder fünf Stunden. Ständig kam jemand rein, untersuchte mich und stellte fest, dass der Kleine immer noch nicht so richtig in Position lag. „Es könnte auf einen Kaiserschnitt hinauslaufen.“ Bitte NICHT! Ich wollte keinen Kaiserschnitt und ich wollte keine PDA. Das waren die beiden Dinge, die ich mir ganz groß auf meine imaginäre Fahne geschrieben hatte. Gegen die PDA habe ich mich erfolgreich wehren können, auch wenn sie mir immer wieder empfohlen wurde. „Haben sie genug Pausen zwischen den Wehen? Erholen sie sich?“„Sie brauchen noch Kraft wenn es dann richtig los geht.“ Wie wenn es richtig los geht? Was soll denn da noch kommen? „Ich will kein zweites Kind! Wieso lassen das Frauen freiwillig zig mal über sich ergehen? Bitte, ich will kein zweites!! Ich flehte meinen Mann an, ich fluchte. Ich wollte nicht mehr. Und dann immer noch die Angst, dass es doch ein Kaiserschnitt werden könnte. Die Sorge um den Kleinen. Es war einfach nur ätzend.

Etwa sechs Stunden waren wir nun in der Klinik. Ich machte dämliche Übungen, damit sich BamBam doch noch richtig hinlegte. Und als die Ärztin und Hebammen (mittlerweile begann eine neue Schicht), noch einmal zur Kontrolle kamen, rief die Ärztin etwas überrascht „Sie pressen ja schon! Das Baby ist unterwegs.“ Ich habe keine Ahnung was ich da tue! Die Hebammen machten mir die Atmung vor und sagten mir ständig dass ich auch schreien könne. „Wozu?“ dachte ich mir und hielt die Klappe.
Drei oder vier Presswehen später, sagte man mir, dass ich es nur noch einmal machen müsste und dann sei er da. Na ja, es dauerte dann noch drei Versuche, weil ich ganz aufgeregt wurde und die Atmung wieder falsch machte. Tja aber dann… Dann war er endlich da! Die Schmerzen waren weg. Wie auf Knopfdruck.

„Ist alles ok? Ist er gesund?“ waren meine ersten Fragen. Ich konnte gar nicht richtig hinschauen, weil plötzlich alles ganz merkwürdig war. Ich blickte zu meinem Mann: „Wir haben es geschafft!“

Der neue stolze Papi schnitt die Nabelschnur durch und dann wurde mir der kleine Sonnenshyn in die Arme gelegt.

„Wieso lassen das Frauen freiwillig zig mal über sich ergehen?“ Weil dieser magische, unbeschreibliche Moment voller Liebe und Emotionen ist!
Sonnige Grüße.

<<Erster Teil – Von Übelkeit und Sch(m)erzen>>
<<Zweiter Teil – Es ist ein Reiskorn>>
<<Dritter Teil – Vom Reiskorn zum Jungen>>
<<Vierter Teil – Der Kugelbauch>>

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