Neue Fähigkeiten

Das folgende Thema wurde mir von der lieben Seelenqual vorgeschlagen bzw hat sie mich gefragt, wie ich mich dabei fühle wenn Simon etwas neues lernt.

Das Thema passt ganz prima, denn seit einigen Tagen kann er sich eigenständig hinsetzen. Doch werde ich etwas weiter ausholen:

Als ich die ersten paar Wochen mit Simon verbracht habe, konnte ich mir nicht vorstellen wie es in einigen Monaten sein wird. Ein Baby kann am Anfang schließlich nichts. Kein Rollen, kein Krabbeln, kein Sitzen, nicht mal lachen. Schlafen und an der Brust trinken. Mehr gab es die erste Zeit nicht.

Als er dann die ersten Versuche machte einen Gegenstand fest zu greifen, war es sehr spannend zu sehen wie er sich konzentrieren musste, nur um daneben zu greifen. Jeden Tag wurden Fortschritte gemacht. Jeden Tag hielt ich ihm andere Dinge hin, die er greifen mochte.

Wir kauften ihm auch ein Spieltrapez. (In meinen Augen immer noch die beste Investition.) Irgendwann konnte er es dann. Ich platzte vor Stolz. “Er kann jetzt auch greifen.” erzählte ich immer allen Leuten. “Guck mal wie schön er sein Schmusetier hält!” brüllte ich immer zu meinem Mann rüber. Oder er zu mir. Wenig später begriff Simon dass er zwei Hände hatte und konnte somit zwei Gegenstände halten. Wieder ein Meilenstein. Wieder dieser unglaubliche Stolz.

Nach dem Greifen kam längere Zeit nichts. Wobei er schon immer gut von der Rückenlage den Kopf heben konnte. Ich dachte immer er würde früh sitzen, aber damit ließ er sich Zeit.

Irgendwann schaffte er dann das Rollen. Erst vom Rücken auf den Bauch. Der ungläubige Blick von ihm war unbezahlbar. Erst schaute er verdutzt und im nächsten Moment grinste er. Zurück auf den Rücken war es nicht so einfach, aber auch das hatte er bald raus.

Bis er das Rollen perfekt beherrschte sind wieder einige Wochen vergangen. Und genau das war der Zeitpunkt an dem ich nicht mehr nur Stolz, sondern auch Traurigkeit empfunden habe.

Auch wenn Babys erst ab einem Jahr nicht mehr als Baby gelten, war dieses “perfekte durch die Wohnung rollen” für mich sehr schwer. Mir wurde bewusst dass er mich nicht mehr zwingend braucht wenn er wohin möchte. Er kugelt sich einfach. Er wollte auch nicht mehr so viel schmusen. Die Wohnung auseinander zu nehmen ist jetzt viel spannender.

Ein seltsames Gefühl.

Ich weiß nicht wie oft ich mir in den sieben Monaten gewünscht habe, dass er rollen und vor allem sitzen kann und als er dann ersteres konnte, ging es mir zu schnell. Und dennoch, ich platze nach wie vor vor Stolz. Wenn ich sehe dass er etwas anpeilt und UNBEDINGT haben möchte. Wie er sich abmüht. Teilweise zornig wird, weil er nicht schnell genug heran kommt und dann selber voller Stolz und Freude ist wenn er es endlich erreicht hat. Dann denke ich mir oft “Das ist mein Sohn!”

Jetzt kann er sitzen. Eigenständig. Was habe ich mir diesen Tag gewünscht. Die letzten Wochen hat er so viel geübt. Immer und immer wieder wollte er von allen Vieren auf den Hintern und es ging einfach nicht. Seit letzten Mittwoch bekommt er es hin. Wieder ist er selber überrascht wenn er sitzt. Grinst uns mit seinem Grübchen an und rudert vor Freude mit den Armen. Gluckst zufrieden.

Ein schönes Gefühl. Wieder dieser unbändige Stolz. Ein weiterer Meilenstein ist erreicht. Komischerweise war ich bei dieser neuen Fähigkeit gar nicht so traurig. Warum das so ist, kann ich mir nicht erklären.

Vielleicht weil er neben mir sitzt und nicht mehr davon rollt.

Heute auf dem Spielplatz sagte ich zu Simon “Ich kann es kaum erwarten bis du selber hier rumflitzt.” Doch wenn es soweit ist, wird die Traurigkeit auch wieder einzug halten.

Aber die schönen Gefühle überwiegen ganz eindeutig. Es ist schlichtweg wunderschön zu sehen wenn etwas Neues gelernt wird und immer besser funktioniert. Wenn man sieht wie sehr sich die Kleinen wundern und über sich selber lachen. Das leuchten in den Augen, das Strahlen im Gesicht.

Wunderbar!

Sonnige Grüße.

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