Wenn das Baby fordert, steht der Große hinten an

Unser Baby steckt mitten in einem heftigen Schub. Das bedeutet für mich pausenloses rumschleppen, viel Brust geben uns bloß nicht den Raum verlassen.

Doch am meisten nachsehen hat mein Großer. „Moment, Mama kommt gleich.“ bekommt er hier sehr häufig zu hören.

Geschwisterplüsch – Ganz, ganz selten.


SCHUB BABY SCHUB! 

Alwin möchte am liebsten von morgens bis abends an mir dran kleben. Kuscheln, trinken, schlafen, Quatsch machen. Am besten alles auf Mami.
Natürlich liebe ich diesen kleinen Kerl abgöttisch und möchte ihm diese Nähe geben, doch ist ja noch mein Großer 2,5 Jähriger, der auch gerne was von seiner Mami hätte.

Aber so ein Baby mitten im Schub ist alles andere als einfach. Ich kann Alwin nicht mehr auf Seite legen wenn er eingeschlafen ist. Er wird nach spätestens zehn Minuten wach und verlangt nach mir. Dann hilft auch kein singen oder ruhiges erzählen, er braucht den Körperkontakt. Selbst wenn der Mann am Abend Zuhause ist, bringt es kaum etwas, denn das Einzige was für Alwin zählt bin ich.
Er nutzt die Brust zwar nach wie vor nicht zum Nuckeln, hat aber allgemein einen höheren Bedarf an Mahlzeiten. Gerade merkte ich dass die Abstände großer wurden, da fällt er zurück in alte Muster und möchte gerne öfter an die Brust.

Mittlerweile weint er auch nicht mehr einfach nur (was er ja eh selten macht), er kreischt gleich in einer furchtbaren Lautstärke und Frequenz los. Das löst bei mir keine „Oje, ich muss dem Baby helfen“-Gefühle aus, sondern eher „Oh Gott, wie stell ich es nur ab?“
Es klingt furchtbar gemein, aber dieses Quietschen ähnelt Fingernägeln auf einer Tafel. Es bereitet mir Gänsehaut.

FÜR SIMON IST ES OFT ZU VIEL 

Ich spüre und sehe wie Simon darunter leidet. Er ruft immer zu nach mir und seine Blicke, wenn ich ihn mal wieder mit „Moment, ich muss eben Alwin…“ – „Sekunde noch ja? Mama kommt gleich.“ – „Weißt du, Alwin braucht die Mama gerade ganz dringend…“ vertrösten muss, sprechen Bände. Es bricht mir schlichtweg das Herz.

Er tut mir so leid, wie er stundenlang alleine mit seinen Autos spielt. Manchmal sitzt er in einer Ecke und schaut sich ganz alleine Bücher an. Das was wir früher immer so gerne gemeinsam gemacht haben. Er spielt in seiner Küche, bringt mir Essen und Kaffee und ich kann es manchmal nicht mal in die Hand nehmen, weil ich gerade keine frei habe.

Wenn Alwin weint (kreischt!), dann rennt Simon aus dem Raum oder er hält sich die Ohren zu. Im schlimmsten Fall schreit er das Baby an oder fängt selber an zu weinen. Ich möchte ihn dann in meine Arme nehmen und trösten, ihm erklären was mit seinem Bruder los ist, doch er schreit dann immer „Alwin weg!“ „Alwin Laufstall gehen!“

Er fordert mich immer auf mit ihm zu spielen. „Mama Kinderzimmer gehen?“ „Mama kuscheln?“ „Mama was kochen mit Simon?“ „Simon mit Zug spielen. Mama auch.“ natürlich gehe ich dann mit ihm in’s Kinderzimmer, aber immer zu ist Alwin dann in meinen Armen. Ich kann gar nicht vernünftig mit dem Großen spielen, weil ich darauf bedacht bin, dass Alwin seinen Schlaf bekommt.

ES GEHT VORBEI UND ES WIRD BESSER – HOFFE ICH 

Ja, ich weiß dass die Schübe nicht ewig dauern. Im schlimmsten Fall einige Wochen. Und ich weiß natürlich auch dass es wieder besser wird. Aber das weiß Simon nicht.

Ich habe in den letzten Tagen das Gefühl wir entfernen uns immer mehr voneinander. Dass er mich, und vor allem seinen Bruder, jeden Tag ein Stück mehr verachtet. Manchmal habe ich das Gefühl in einer KiTa wäre er besser aufgehoben, weil er da jemanden zum Spielen hätte.

Und ich habe Angst. Ich habe Angst davor dass die beiden in ewiger Konkurrenz stehen werden. Dass sie nie etwas gemeinsam machen wollen, sondern nur um die Aufmerksamkeit der Eltern bemüht sind. Jeder für sich.
Dass Simon verinnerlicht ich würde Alwin bevorzugen, weil er ständig auf meinem Arm ist.

Gerade jetzt, als Simon endlich einige Schritte auf Alwin zugemacht hat, passiert genau dieser elende Schub, der die beiden wieder zurück an den Anfang wirft.
Gerade jetzt, wo ich gehofft habe dass es endlich einfacher wird mit den beiden, driften sie immer mehr auseinander.

Ich selber merke wie ich am Ende meiner Kräfte bin. Zum einen will ich Alwin so gut es geht in seinem Schub begleiten. Er soll meine nötige Aufmerksamkeit bekommen. Doch darunter leidet der Große immens! Ich werde ihm dieser Tage schlichtweg nicht gerecht. Das geht nur, wenn der Papa in der Früh und am Abend Zuhause ist. Doch jener arbeitet die letzten Tage viel und ist entweder morgens da oder abends. Das nagt an allen hier und ich hoffe dass es alsbald wieder besser wird.

Und vor allem hoffe ich darauf, dass sich die zwei beiden irgendwann mal richtig, richtig gern haben!
Ich wünsche mir nichts mehr, als dass die beiden zusammen Unsinn machen und mich in den Wahnsinn treiben. Ich wünsche mir so sehr, dass Simon und Alwin nicht nur Brüder sind, sondern auch Freunde werden.
Und ich wünsche mir, dass ich dennoch den richtigen Weg und ich nicht dafür sorge, dass die beiden sich nicht ausstehen können und ewig eifersüchtig aufeinander sind.

Wann wird es besser?

Sonnige Grüße.

4 Gedanken zu „Wenn das Baby fordert, steht der Große hinten an

  1. Hallo Chrissy,

    Ich kenne diese Phasen – und ich kann dir versichern, es sind wirklich nur Phasen sie gehen vorbei.

    K4 ist ein paar Monate älter als Alwin und K3 ist genauso alt wie Simon.
    Mittlerweile sitzt K4 und beschäftigt sich längere Zeit alleine im Laufgitter und ich habe wieder mehr Zeit um mit K3 zu spielen.
    In den weniger guten Zeiten habe ich das Baby ins Tragetuch gepackt. So hatte ich die Hände fürs Spielen mit dem Großen frei. Wenn das auch nicht ging, weil der Kleinste nur in Bewegung schlief, sind wir gemeinsam spazieren gegangen. K3 kamen diese Zeiten wie Exclusivzeit vor, weil er vom schlafenden Baby fast nichts mitbekam.
    Außerdem habe ich während des Stillens gerne vorgelesen und wir drei haben uns aneinander gekuschelt. Alle hatten gleichzeitig Nähe und Zuwendung.

    Obwohl K3 auch öfter ein „warte kurz“ zu hören bekam, sind unsere Zwei schon jetzt die größten Freunde. Da wird Spielzeug angereicht, Musik angeschaltet, applaudiert und ganz viel gekuschelt.

    Ich hoffe, diese Phase geht schnell vorbei und noch viel wichtiger ihr übersteht sie gut.

    Viele Grüße
    Mama Maus

    • Danke, das tut gut zu lesen. Und das meine ich wirklich ernst. Nicht, dass ich anderen solche Phasen wünsche, aber es ist dennoch etwas Hilfe für mich, wenn ich nicht alleine bin.

      Im Tragetuch habe ich Alwin auch häufig. Nur kommt Simon dann eher selten zu mir. Er mag dann nicht kuscheln. Genau so ist es beim Stillen. Hin und wieder kommt er dann und wir schauen zusammen ein Buch an, aber das ist sehr sehr selten. Meistens geht er weg, sobald ich das Babys auf dem Arm habe.
      Das war ganz am Anfang so und scheint jetzt wieder zu beginnen. Es wirft uns zurück. Alle. Und das nagt Momenten extrem.

      Ich freue mich voll zu lesen, dass sich deine beiden jetzt so gut verstehen. Darauf hoffe ich auch!

  2. Als ältere Schwester (meine kleine Schwester kam auf die Welt, da war ich 18 Monate alt) zerreisst es mir das Herz, deinen Text zu lesen. Ich merke auch, dass du selbst die Situation kaum aushältst. Zu sehen, wie Simon unter der Tatsache, dass er einen Bruder bekommen hat und damit alles anders ist, leidet.

    Ich habe bis heute kein gutes Verhältnis zu meiner Schwester. Wir sind beide über 30 und es ist noch immer geprägt von Konkurrenz. Wir sind auch sehr unterschiedlich, können nicht viel miteinander anfangen, bekommen Aussagen der anderen total schnell in die falsche Röhre. Ich kann dir nicht garantieren, dass es daran liegt, dass wir so knapp nacheinander geboren wurden, vielleicht wäre es auch so, lägen 4 Jahre dazwischen. Aber im Grunde bin ich mir für mich sicher, dass es (zumindest auch) daran liegt, dass ich damals noch viel zu klein war um eine große Schwester zu sein. Ich war zb mit 19 Monaten sauber, weil ja nur Babies eine Windel brauchen… Meine Mama war bei uns zuhause, mein Papa hat viel gearbeitet, ist seinen Hobbies nachgegangen und konnte nicht viel mit uns anfangen, als wir noch so klein waren.

    Ich bitte dich, schau dass du irgendwie wirkliche Exklusivzeit mit Simon verbringen kannst. Ich weiß, als Stillmama ist das schwierig und überhaupt. Aber nimm deinen Mann in die Pflicht (kein Job der Welt kann so wichtig sein), er soll Alwin jeden Tag ein, zwei Stunde übernehmen, damit du exklusiv was mit Simon machen kannst. Rausgehen, weg vom Baby, oder Mann und Baby gehen raus. Es geht nicht nur um die Geschwisterbeziehung, es geht um die Beziehung zwischen dir und Simon. Nicht nur dass er mehr Aufmerksamkeit braucht, als er nun scheinbar bekommt. Nein, eure Beziehung soll nicht von deinem schlechten Gewissen geprägt sein. Darauf kann nichts Gutes, Beständiges wachsen. Es ist aus meiner Sicht echt wichtig, dass ihr eine gute Beziehung zueinander habt und Simon vertrauensvoll aufwachsen kann. Und ich denke, dass Simon dann auch seinen Bruder besser annehmen kann. Wenn seine Bedürfnisse nach Nähe zu dir, Aufmerksamkeit, Gesehen werden etc. erfüllt sind.

    Alles alles Gute, Anna

    • In den letzten zwei Monaten hat sich hier einiges geändert (dazu wollte ich alsbald auch noch etwas schreiben). Es ist zwar nach wie vor nicht alles in Butter, aber ganz langsam nähert sich der Große, seinem kleinen Bruder gegenüber an und das sorgt bei mir für eine immense Entspannung.

      Wir haben nämlich genau das, was du vorgeschlagen hast; Exklusivzeit. Das hat so viel geändert, dass ich es manchmal kaum fassen kann, wie schwer das vor einigen Wochen noch gewesen ist.

      Es macht mich unfassbar traurig zu lesen, dass es dir mit deiner Schwester so geht. Sowas höre ich allerdings öfter mal. Wobei es vollkommen unterschiedliche Altersabstände sind. Mein Mann und sein Bruder sind auch knapp 20 Monate auseinander und sie sind ein Herz und eine Seele. Bei meiner Schwester und mir war es auch nicht immer einfach, uns trennen 7 JAHRE. Sei es drum; Der Altersunterschied wird wohl niemals perfekt sein, was es immer schwierig macht. Wichtig ist nur, dass man es erkennt und etwas dagegen unternimmt.

      Ich danke dir ganz herzlich für deine Worte und deine Tipps. Davon sollte ich mal wieder mehr in die Tat umsetzen! ❤

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