Wirbelmon fegt mit 150km/h durch das Haus!

Würden sich „Experten“ einen Tag mit meinem Sohn und mir anschauen, dann würden sie am Ende des Tages mit Sicherheit dazu raten, dem Kleinen Medikamente zu geben. Vermutlich würden zig Ärtze ADHS diagnostizieren. Andere Eltern würden denken, er bekäme zu wenig „Auslauf“. Wieder andere fragen sich, ob ich zu viel Cola oder zu viele W-Lan-Strahlen in der Schwangerschaft abbekommen habe.
Aber ist er nicht einfach nur ein neugieriges und aufgewecktes Baby?

Etwa ab dem siebten Monat, gab es kaum Ruhepausen im Bauch. Simon meldete sich ständig. Hier ein Tritt, dort ein Schlag oder eben Schluckauf. Irgendwie freute mich das immer. Denn immerhin hatte ich so ein Lebenszeichen von ihm. Wenn es dann doch mal einen Tag eher ruhig zuging, machte ich mir gleich sorgen.
Allerdings sagt dieses Gestrampel im Bauch nichts darüber aus, wie das Kind später einmal sein wird. So hatte ich also lange Zeit die Hoffnung, dass der Kleine, ist er denn erst mal auf der Welt, ruhiger wäre. Aber ich wurde sehr schnell eines besseren belehrt.
Ich hätte im Traum nicht vermutet, dass Neugeborene so einen Antrieb haben. Er ackerte fast von Anfang an viel mit den Beinen. Ich sagte immer er fahre Fahrrad. Denn genau so sah das nämlich aus. Schnell lernte er sich auf die Seite zu drehen und wieder zurück und wieder auf die Seite und wieder zurück. Schon früh versuchte er sich aus der Rückenlage aufzusetzen, aber es dauerte dennoch lange (oder länger als vermutet), bis er eigenständig sitzen konnte.
Noch bevor er sich selber hinsetzte, kam das Rollen. Er rollte viel und immer schneller durch die Wohnung. „Oje“ dachte ich „Was soll das nur werden, wenn er mal robbt oder gar krabbelt?“. Dann robbte er. Und wie er robbte. Als hätte er nie etwas anderes gemacht. Einige Wochen blieb er dabei, bis er schließlich krabbeln konnte. Jetzt zieht er sich ÜBERALL hoch und tippelt von rechts nach links.

Für mich fühlt es sich wirklich so an, als würde hier ein Sturm wüten. Es ist ihm nicht möglich, auch nur für einige Sekunden ruhig zu bleiben. Setzt man ihn auf den Boden, ist er binnen eines Augenblickes in der anderen Ecke oder in einem anderen Raum. Sitzt er in seinem Stuhl und bekommt Essen, dann sind etwa zehn Minuten Ruhe, ehe er sich ständig von rechts nach links dreht. Gibt es noch irgendwo was spannendes? Ging da gerade jemand durch den Hausflur? Hey, Brote runterschmeißen ist lustig! Ich matsche soooo gerne mit Blumenkohl in meinen Haaren! Hat er fertig gegessen, geht die Erkundung durch die Wohnung gleich weiter. Es wird sich am Tisch, an der Couch, am Regal, am Schrank, am Stuhl, am Laufstall, an der Tür, am Ofen, einfach überall, hochgezogen. Nicht selten passieren dabei kleine Unfälle. Er ist sehr übermütig und braucht etwas länger, bis er versteht, dass die Kante am Tisch wehtut. Da muss man sich schon dreimal den Kopf stoßen, damit man vorsichtiger wird. Neulich erst krabbelte er wieder lachend vor mir weg, nur um dann eine unfassbare Gesichtsbremse hinzulegen, die mit einer dicken Lippe und etwas Blut endete. Doch das hält Wirbelmon nicht auf! Fünf Minuten später krabbelte er wieder, wie von der Tarantel gestochen, weg.

Alles was ihm in die Quere kommt, wird einfach umgekrabbelt oder kurzerhand in die Ecke gepfeffert. Ein Kuscheltier liegt im Weg? Egal, einfach drüber! Ein Legostein blockiert den Eingang? Was solls, in die Hand genommen und weggeschmissen! Liegt da etwa ein Krümel? Schnell essen, bevor Mami es wegräumt!
Schränke sind auch groß im Kommen. Als ich letztens für eine kurze Zeit das Wohnzimmer verlassen habe, wunderte ich mich schon, weshalb es plötzlich so ruhig ist. Als ich zurück ging, saß Simon seelenruhig vor dem Schrank und hat die Bücher ausgeräumt. Fein säuberlich gestapelt. Noch während ich die Bücher wieder einräumte, schmiss er seine Kiste Legosteine um.

Die Neugier scheint keine Grenzen zu kennen. Wenn er mit mir in der Küche ist, werden alle Schränke und Schubladen geöffnet. Ja, letztens hat er sich sogar auf einen Karton gestellt um mit den Fingern auf der Theke rumzugrabbeln. Die Küchenrolle wird quer durch den Raum gerollt, nur um im nächsten Moment den Biomülleimer umzuwerfen. Hui, noch mehr Krümel!

Ich liebe meinen Wirbelmon. Ich liebe ihn so wie er ist und ich freue mich darüber, dass er so aufgeweckt und neugierig ist, doch ich bin am Abend verdammt froh, wenn er im Bett liegt und seelenruhig schläft.
Und ich weiß, dass das erst der Anfang ist.
Bald kann er laufen! Nehmt euch in Acht!

Sonnige Grüße.

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