Mein Weg zur Fotografie – Teil 6 – Die Ängste und die Kamera

Mein Weg zur Fotografie – Teil 6 – Die Ängste und die Kamera

Können Hobbys Ängste nehmen? Diese Frage stelle ich mir seit geraumer Zeit immer wieder. Denn ich habe festgestellt, dass ich mich mit der Kamera in der Hand mehr traue. Die Fotografie hilft mir also tatsächlich Ängste hinten anzustellen.

Ich stehe in der Mitte einer Holzhängebrücke. Rechts und links sieht man den blau grünen Rhein.
Ich stehe zum Fotografieren auf einer Brücke.

ÄNGSTLICH DURCH DAS LEBEN

Ich bin wohl einer der Menschen, die sehr viel Angst haben. Was für viele Leute normal ist, stellt mich vor Herausforderungen. Das sind zum einen ganz alltägliche Dinge, aber auch Sachen, die viele kennen dürften.

Höhenangst (Akrophobie), Angst in engen Räumen (Klaustrophobie) oder vor Menschenmassen (Agoraphobie) hat sicherlich jeder schon mal gehört.
Ich leide unter allen drei Ängsten.
Über Brücken zu laufen, bei Wanderungen an Abgründen entlang spazieren, in vollen Zügen zu fahren, in einem Aufzug zu stehen oder durch die Stadt zu laufen ist für mich purer Stress.
Der Stress kann soweit gehen, dass ich nicht mehr kontrollieren kann was ich mache. Ich fange an zu zittern, bekomme Schweißausbrüche oder muss sogar weinen. Egal ob ich die Dinge will oder nicht, es passiert einfach.
Mein Mann und meine (großen) Kinder wissen dann mit mir umzugehen, in dem sie zwar bei mir sind, aber mich in Ruhe lassen. Höchstens ruhig nachfragen ob sie etwas tun können.
Meistens kann ich mich nach ein paar Minuten wieder beruhigen oder aus der Situation gehen.
Oft versuche ich auch erst gar nicht mich in „Gefahr“ zu bringen. Ich nehme, wann immer es geht, die Treppen (egal wie lange ich laufen muss). Ich lasse den Mann viel erledigen, um meine Komfortzone nicht zu verlassen. Und wenn ich dann doch mal in die Stadt muss, plane ich genau wie ich gehe, damit ich bloß nicht irgendwo 2x hin muss. Am liebsten alleine, damit ich mich auf mich konzentrieren kann und nicht noch auf meine Kinder.

Was hat das alles nun mit Fotografie zu tun?

Ein Selfie von mir in einer Gondel. Ich trage eine weiße Maske und ein grünes Shirt.
Ich sitze in einer Gondel in den Alpen um in den Bergen zu fotografieren.

FOTOGRAFIEREN HILFT MIR ÄNGSTE ZU VERGESSEN

Ich würde nicht soweit gehen zu behaupten, dass das Fotografieren oder meine Kamera mich von meinen Ängsten heilen kann. Bestimmt nicht.
Aber wenn ich dabei bin ein Motiv zu suchen oder ein bestimmtes Motiv sehe, für welches ich meine Komfortzone verlassen muss, dann springe ich ziemlich häufig über meinen Schatten. Dann und wann schaffe ich es sogar ohne meine Kamera bestimmte Dinge zu erledigen. Wie Termine telefonisch machen, Behördengänge, etc.

Aber das Foto von dem Teichfrosch zum Beispiel, hätte ich mich ohne meine Kamera niemals getraut zu machen. Ich habe zwar keine Angst vor Fröschen, aber finde sie ziemlich eklig. Sie stehen für mich knapp hinter Spinnen (die ich mich übrigens nach wie vor nicht traue zu fotografieren).
Als Kind wurde ich von einem Schwan gebissen. Immer wenn ich welche gesehen habe, bin ich einen großen Bogen um sie gelaufen.
Jetzt gehe ich sie beinahe täglich besuchen, mache Livestreams vom Weiher und gehe nah an die Schwäne heran. Ich habe gelernt ihre Körpersprache zu lesen und weiß, wann sie den Schnabel voll haben. Und dann ziehe ich mich zurück.

Ein Teichfrosch in Nahaufnahme. Er sitzt im Schlamm am Ufer.
Für dieses Foto musste ich recht nah an den Frosch ran.

Nach meiner Panikattacke auf dem Gornergrat, habe ich gesagt dass ich nie wieder nach da oben will.
Heute wünsche ich mir mit meiner Kamera oben zu stehen und für meinen Mann ein schönes Bild vom Riffelsee und Matterhorn zu machen. (Ironischerweiße schreibe ich diesen Bericht gerade in den Schweizer Alpen fertig.)

Auf Wanderungen krieche ich an Felsvorsprünge. Klettere über Steine. Ich liege mitten auf dem Boden, unabhängig davon was neben oder auf mir krabbelt. Für mich sind das normalerweise unmögliche Dinge. Weil ich mich runterfallen sehe, voller Zecken bin, vom Frosch angesprungen werde oder aus engen Räumen nicht mehr herauskomme.

Ich stehe in der Mitte einer Brücke in einer Schlucht und fotografiere.
Ich stehe auf einer Brücke um in der Viamala Schlucht zu fotografieren.

DAS HOBBY FOTOGRAFIE ALS ALLHEILMITTEL?

Nein, natürlich ist die Fotografie kein Allheilmittel. Und ich schätze auch, dass andere Hobbys keine 100%ige Heilung bringen können. Müssen sie auch gar nicht. Denn Ängste zu haben ist etwas vollkommen natürliches und nichts wofür man sich schämen muss.
Dennoch freue ich mich wenn ich es hin und wieder schaffe meine Komfortzone zu verlassen und meine Ängste, zumindest ein bisschen, auf Seite schieben zu können.
In meinem Fall habe ich dann nur den Blick für das Foto. Sobald ich durch den Sucher schaue, vergesse ich das drumherum. Dann ist es egal, dass ich auf einer Brücke stehe oder der Bergfels zwei Schritte weiter unter mir endet.
Zwar brauche ich nach „getaner Arbeit“ eine kleine Pause und ein paar tiefe Atemzüge, aber das Gefühl es geschafft zu haben ist immer wieder überwältigend. Außerdem merke ich dass es einfacher wird, je öfter ich mich etwas traue.

Ich in schwarz gekleidet seitlich von hinten fotografiert, wie ich auf einer Holzhängebrücke stehe und den blau grünen Rhein fotografiere.
Ohne Angst auf einer Hängebrücke.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen mit einem Hobby gesammelt?

In Folge 69 von unserem Podcast sprechen Matthias, Holger und ich noch ausführlicher über die Sache mit der Angst und der Kamera: Mit dem Sucher gegen Angst und Zweifel.

Sonnige Grüße,
Chrissy

4 Gedanken zu „Mein Weg zur Fotografie – Teil 6 – Die Ängste und die Kamera

  1. Moin 🙂
    finde ich toll, dass du das hier schreibst. Ich habe auch weniger Angst wenn ich die Camera dabei hab. Vor allem die Angst sich zu blamieren ist dann irgendwie weg. Es dauert zwar immer erst einen kleinen Moment, aber wenn ich richtig drin bin im Fotomodus, vergesse ich alles andere.
    Wünsche dir weiter einen schönen Urlaub und immer gut Licht 🙂

    1. Ich muss sagen, dass auch diese offene Schreiben Überwindung gekostet hat. Denn es gibt nach wie vor Menschen die sich darüber lustig machen, aber ich merke immer mehr und mehr, dass es mir hilft darüber zu schreiben und/oder zu reden.

      Das mit dem Blamieren kann ich auch nachvollziehen. Leider.

      Danke für deine lieben Worte!

      Sonnige Grüße.

      1. Oh ja, das Schreiben ist auch erst Überwindung, aber irgendwie hilft es auch dabei, mit den Ängsten besser klar zu kommen, wenn man sie äußert und nicht versteckt. Hat bei mir aber auch gedauert bis ich das gelernt habe.
        Liebe Grüße!

      2. Genau das ist mir auch aufgefallen. Und es gibt immer jemanden der das nachvollziehen kann und das hilft mir dann auch wieder. 🙂

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